Posts mit dem Label Deutschland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Deutschland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

19.8.13

Die unglaubliche Verwandlung

Er heißt Bernd... ist aber ein Israeli. Er ist Jude... wurde aber in Bamberg als Nicht-Jude geboren. 

Bernd Wollschlaeger wurde 1958 als Sohn eines hochdekorierten Nazi Offiziers geboren. Er bemerkte schon als Junge die große Diskrepanz und unterschiedliche Haltung, die sich aus den Darstellungen seines Vaters über Hitlers 3. Reich und seine Taten im Krieg und konträr dazu die Ausführungen seines Lehrers in der Schule über den furchtbaren Krieg und den Holocaust ergab. Der Schock über die neuen Erkenntnisse, was sein Volk für ein Unglück über die Welt und speziell über die Juden gebracht hatte und wie sein geliebter Vater, den er verehrte, darüber dachte und sprach - mit dem Stolz eines Nazis - zerriss ihn innerlich. Er beließ es nicht dabei, sondern forschte weiter, befasste sich mit der Geschichte, forderte Antworten von seinem Vater, beschäftigte sich mit dem Judentum, lernte Juden kennen und freundete sich mit ihnen an. Schließlich kam es soweit, dass er zum Judentum konvertierte.

Heute ist Wollschlaeger israelischer Staatsbürger, amerikanischer Staatsbürger, er heiratete eine Jüdin, ist nun praktizierender Arzt in den USA und hat Kinder.

Hier ist seine Geschichte, von ihm selber erzählt in Atlanta, Georgia, vor einer Zuhörerschaft einer jüdischen Versammlung "Beth Tefillah" im Januar 2013.

Bernd Wollschlaeger sagt: "Ich habe gelernt, dass Hass nicht vom Himmel fällt, er wird in uns geboren, indem wir Worte des Hasses gebrauchen. Diese Worte, wenn sie nicht hinterfragt werden, führen zu Taten, welche, wenn unbehelligt gelassen, zu Gewohnheiten führen. Und wenn diese Gewohnheiten nicht bekämpft werden, formem sich Charakteren, die, in der Gesellschaft auch noch belohnt, gesellschaftliche Normen bilden." 




20.7.13

Ein offener Brief


Danny Ayalon, Israels Botschafter in verschiedenen Ländern, zuletzt in USA und früherer stellvertretender Außenminister Israels, hat wegen der neuen Förderrichtlinien-Kampagne der EU einen Brief an die Kanzlerin Angela Merkel geschrieben. 

An open letter to Her Excellency Angela Merkel


Dear Madam Chancellor,

I have had the privilege of meeting with you several times in my various positions serving the government of the State of Israel. I have always been impressed with your leadership and commitment to Israel's security and well-being in our region, with its risks and uncertainties.

A special relationship exists between our two countries, and Germany has been a true friend of Israel and the Jewish people, proven many times over. Under your direction, Germany has become the leading country in the European Union economically and financially. You have overcome historical sensitivities to become leaders politically and militarily as well. There is no doubt that today Germany is the most influential country in the EU and a major player in the global arena.

I am quite sure that decision to impose economic sanctions on Israel, made by the EU bureaucracy in Brussels, was an unexpected surprise for you, as it was for all friends of Israel worldwide. This is not only because of your support of Israel, but also because of your sense of justice and morality.  This decision lacks any political and diplomatic logic.

Modern history cannot recall a case in which democratic nations imposed sanctions on any other democratic country which shares with them the rule of law, transparency, and preservation of minority rights. Nor has there been a case of imposing such sanctions without going through the legal process in the UN Security Council according to its mandate.

Even dictatorships like Iraq of Saddam Hussein, South Africa during the apartheid and Iran today, were punished with sanctions only after exhaustive international deliberations and resolutions made by the Security Council.

The immorality of this action without a legal international case is especially flagrant in light of the EU's refusal to impose sanctions on terrorist organizations such as Hezbollah after murderous acts committed on European soil as demonstrated in Burgas, Bulgaria.

Imposing sanctions on Israel which has an existential conflict with the Palestinians is blatant interference in the process that should be dealt with directly between the parties, without preconditions. Active interference in favor of one side will cause irreversible damage. Such a step will harden the position of the Palestinians who will lose any reason to negotiate. This, in turn, will stifle any flexibility that Israel may have thought to offer, thus alienating prospects for peace.

Israel has always deemed Europe as a partner based on shared values of democracy and freedom, and common economic and security interests.

The fate of Europe, Israel and other Western democracies are intertwined in the common fight against international terrorism and extremism. We have always viewed Europe as a role model, objective and fair, that can bring both sides together, rather than driving them apart.  Europe should encourage a peaceful solution and not perpetuate the conflict.

This unilateral and brutal move planned by the European Commission is not only morally unjust and politically illogical, but it undermines the trust and confidence of Israel in its allies in Europe.

I know, Madam Chancellor, you realize the tremendous responsibility Germany has as the leading country in the European Union, and as an ally of Israel, to intervene in time to stop and roll back this harmful development coming out of Brussels.

With great respect,

Sincerely yours,

Danny Ayalon


23.6.13

Kein Frieden im Titel der Symphonie

Zwang zum Boykott

Die ursprüngliche Idee war so gut. Das Stück sollte "Symphony For Peace" heißen. 
Das ist schon verrückt, da hätten die Deutschen - die Musiker der Dresdner Sinfoniker - die einmalige Chance, ganz wunderbar mittels der Musik, die ja bekanntlich grenz- und völkerübergreifend ist und wie kaum etwas anderes besser geeignet ist, friedenstiftend und versöhnlich zu wirken, zwei in Feindschaft lebende Völker zusammenbringen und Hoffnung auf Verständnis und Versöhnung in diesem schwierigen Konflikt zu erwecken - aber nein!... sie lassen sich zum Boykott gegen Israel zwingen und machen Konzerte nur für Palästinenser, nennen die neu komponierte Synfonie "Symphony for Palestine" und spielen vor der muslimischen palästinensischen Bevölkerung, deren reliöse Vorschriften in vielen Ländern - auch in Gaza - Musik unter Androhung von Gewalt verbietet. Sie spielen und widmen ihre Musik zwei getöteten Palästinensern... als wenn es keine von Palästinensern getötete Israelis gäbe!

Da sagt einer der Initiatoren der Aktion frei und offen: "Wir hatten ständig damit zu kämpfen, dass man uns gesagt hat: 'Wir haben gehört, es gibt Gerüchte. Das ist nicht so astrein, euer Projekt. Ihr arbeitet mit Israel zusammen. Das ist Normalization.' Normalization ist ein Schimpfwort. Normalization heißt, dass man gegen die Politik der Palästinenser, mit Boykott und Sanktionen gegen Israel, verstößt. Nach dem Ende der Intifada ist es jetzt der Kampf mit friedlichen Mitteln. Alles wird boykottiert, das mit Israel zu tun hat. Eben auch die kulturelle Zusammenarbeit." 



Da fällt mir eben nichts mehr ein! Was haben diese Musiker im Kopf? Hat nicht wenigstens einer von ihnen ein schlechtes Gewissen? 
Wie kann man nur mit dem Schönsten, was Gott uns geschenkt hat - der Musik - Politik machen, Hass und Konflikt bestärken und Boykott betreiben?

Die Projekt-Chefs haben aber damit nicht genug. Sie wollen ihre Sinfonie - natürlich unter anderm Namen - auch noch in dem einen Land aufführen, das von Israel als schlimmster Feind gesehen wird: der Iran. 
Vielleicht kriegt die Sinfonie dort den Namen: "Symphony for Allah" oder "Symphony for hanging men" ?

Video anschauen: www.3sat.de.

17.6.13

Israels Friedens(un-)willigkeit in der Diskussion

Hier ein aufschlussreicher Artikel in der WeltOnline von Michael Wolffsohn. 
Danke Herr Wolffsohn, für diese Einsichten. Beschämend, zu hören, wie egal unseren Politikern das Schicksal der Überlebenden unseres großen Verbrechens, war ... und heute vielen immer noch ist. Uns allen sollte unsere Geschichte nicht egal sein. Deutschlands Verhältnis zu Israel war nie stark genug, dass sich Israel drauf verlassen konnte, von Deutschland im Notfall Beistand zu bekommen. Das haben die Israelis gelernt.
Dass hier einiges am Bild Israels richtiggestellt wird, ist natürlich gut, und wichtig.


Israel, Brandt und die SPD

In Israel haben die Medien engagiert über den Artikel zum Thema "Wie Willy Brandt im Sommer 1973 die nahöstliche Friedenskarte verspielte" berichtet. Deutsche Medien hingegen reagierten kaum auf das Stück, das vergangene Woche in der "Welt am Sonntag" stand. Für die meisten Deutschen ist das Thema Geschichte. "Es war einmal" – kein Märchen, aber: "Lang, lang ist's her."

Diese Sicht ist auch tagespolitisch falsch, denn damals wie heute galt und gilt Israel als kompromisslos, konfrontativ, dickköpfig und friedensunwillig. Die von Hagai Tsoref und mir in dem Artikel vorgelegten Dokumente beweisen das Gegenteil. Man fragt sich, weshalb Willy Brandt 1973 nach der Israel-Reise sein friedenspolitisches Prestige nicht für jene Friedenschance oder danach für ein gerechteres Urteil über Israels Politik in die Waagschale warf. Mehr noch: Nach 1973 schüttete er, gemeinsam mit Österreichs jüdischem (!) und antizionistischem Bundeskanzler Bruno Kreisky Öl ins antiisraelische Feuer und hofierte PLO-Führer Jassir Arafat, dessen Organisation das Münchner Olympiamassaker von 1972 zu verantworten hatte.

Deutsche Medien und Politiker reagierten auf unseren Artikel wohl auch deshalb zurückhaltend, weil sie nicht am "Willy-Brandt-Denkmal" kratzen wollten. Das ist pietätvoll, doch sinnlos. Ein Leser war von Brandts im Artikel erkennbarer Israel-Distanz so begeistert, dass er auf der "Welt"-Website verkündete, im Herbst dieses Jahres SPD wählen zu wollen. Wenn Willy Brandt das wüsste, würde er sich gewiss im Grabe umdrehen. Wie finden das heutige Sozialdemokraten? Sie schweigen. Die Geister, die sie riefen…
In Israel wird nun nicht über Willy Brandt diskutiert, sondern über Golda Meir persönlich sowie politisch über Israels damalige grundsätzliche Friedenswilligkeit oder -unwilligkeit. Von den deutschen Sozialdemokraten erwartet das politische Israel seit Brandt wenig bis nichts.


 Das war nicht immer so. Im Gegenteil, denn von 1948 bis zum Mai 1977 wurde Israel von Sozialdemokraten regiert, und bis zum Sommer 1973 hielt auch Genossin Golda sehr viel von ihrem Genossen Willy. Das änderte sich spätestens seit dem Oktoberkrieg 1973. SPD-Kanzler Helmut Schmidt provozierte mehrfach nicht nur Israels Rechtsparteien, sondern das gesamte Spektrum des jüdischen Staates. Schmidt legte der ägyptisch-israelischen Friedenspolitik, sprich Sadat und Begin, seit 1977 Knüppel zwischen die Beine. Trotzdem wurde im März 1979 zwischen beiden Staaten ein Friedensvertrag geschlossen, der bis heute (wie lange noch?) gültig ist.

Im Herbst 1980 erklärte Kanzler Schmidt Israel zur "größten Gefahr für den Weltfrieden", der bis heute, so weit bekannt, nicht von Israel gebrochen wurde. Im Januar 1981 wollte Schmidt Saudi-Arabien deutsche Leopard-II-Panzer liefern – gegen den Protest Israels. Im April 1981 verkündete Helmut Schmidt in Saudi-Arabien (!), dass deutsche Politik nicht mehr von Auschwitz überschattet werden solle. Bei der Aufzählung der Opfer deutscher Kriegsverbrechen nannte er viele Völker – die Juden blieben unerwähnt. Der nächste SPD-Bundeskanzler war Gerhard Schröder. Er gab nicht einmal vor, Sympathien für Israel zu hegen, weigerte sich seit dem Jahr 2000 (trotz mehrfach ausgesprochener Einladungen), Israel zu besuchen, und ist heute Ehrenpräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Das ist durchaus ehrenwert und legitim, aber kein Beleg für eine israelfreundliche Politik. Deshalb diskutierte Israel nicht über Brandt und andere SPD-Kanzler.

In der Jerusalem Post war der Inhalt des Artikels Aufmacher der gedruckten Seite eins und der Online-Ausgabe. Tenor: Wir haben schon immer Frieden gewollt; das wird und wurde verkannt. Die linksliberale Tageszeitung "Haaretz" berichtete, ebenfalls in der Druck- und Onlineausgabe, an prominenter Stelle und zeigte sich (weil grundsätzlich regierungsskeptisch) über die meirsche Friedensgeste überrascht. Man ließ kritische Zeithistoriker zu Wort kommen. Deren Hauptargument: Tsoref und ich hätten nur eine Auswahl, nicht alle Dokumente vorgelegt. Das stimmt, doch die vorgelegten Dokumente belegen den Sachverhalt aller Dokumente. Diese Auseinandersetzung führt freilich ins Fachchinesische und interessiert hier nicht.

Den Artikel griffen auch die große Online-Plattform Ynet und das quoten- sowie qualitativ stärkste Morgenmagazin des Israelischen Rundfunks, Kanal 2, auf. Auch hier widmete man sich vornehmlich der willkommenen Überraschung: dass Israels Politik damals faktisch deutlich kompromissbereiter war als im In- und Ausland wahrgenommen. Nur damals? Vielleicht sollten sich Israelkritiker diese selbstkritische Frage auch heute stellen?
DIE WELT

17.2.13

Wie es dazu kam, dass der Nachfahre eines SS-Mannes vor der Knesset spricht


Das ist Uri Hanoch.

Uri Hanoch war 13, als seine Familie 1941 ins Ghetto Kauen (Kaunas) in Litauen gebracht wurde. Im Ghetto arbeitete er als Bote des deutschen Reichsarbeitsministeriums. Unter Einsatz seines Lebens stahl er Bescheinigungen, mit deren Hilfe es vielen Menschen gelang, aus dem Ghetto zu fliehen. Hanoch verlor seinen Vater, seine Mutter und seine Schwester, die ermordet wurden. Er selbst wurde durch eine weitere Arbeit gerettet, die ihm zugewiesen wurde – der Lagerkommandant beauftragte ihn mit der Reinigung seines Büros. 1945 wollte man ihn mit einem Zug ins Konzentrationslager Dachau deportieren, der auf dem Weg bombardiert wurde. Es gelang Hanoch, aus dem Zug zu springen und in den Wald zu fliehen, obwohl er beschossen wurde. Nach Kriegsende wanderte er mit seinem Bruder Dani ins damalige Britische Mandatsgebiet Palästina aus.
Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Hanoch hat sich in Israel ein neues Leben aufgebaut, eine Familie gegründet und hatte leitende Funktionen in Organisationen zur Unterstützung von Holocaust-Überlebenden inne. 

Eines Tages, vor etwa 15 Jahren, „passierte etwas Merkwürdiges“, wie er sagt. In Deutschland stellte sich heraus, dass sogar in der Zeit der Shoah Sozialversicherungsbeiträge für einen Teil der Juden in den Ghettos abgeführt wurden, die bei Deutschen gearbeitet hatten. Dies bedeutete, dass diesen Juden eine Rente zustünde. 
„Als wir im Ghetto waren, wussten wir davon nichts. Uns wäre im Leben nicht in den Sinn gekommen, dass man uns bezahlen würde. Wir wussten nur, dass wir zur Arbeit gehen und abends wieder nach Hause – außer, wenn man uns in ein Konzentrationslager schickt, um uns umzubringen“, sagt Hanoch. In jedem Ghetto gab es andere Verfahrensweisen. Im Ghetto Kauen, wo Hanoch arbeitete, zahlten die Deutschen die Löhne für die Arbeit an den Judenrat – der von dem Geld notwendige Produkte erwarb. „Es ist verrückt. Einerseits werden wir abgeschlachtet, andererseits werden Sozialversicherungsbeiträge abgeführt“, so Hanoch.

2002 wurde in Deutschland ein Gesetz verabschiedet, das es Menschen, die in den Ghettos gearbeitet hatten, ermöglichen sollte, die Renten zu erhalten, die ihnen zustehen. Etwa 70.000 Überlebende – die Hälfte von ihnen Israelis – reichten Rentenanträge ein. Mehr als 90% davon wurden abschlägig beschieden.
Die Argumente waren beinahe ebenso absurd wie die Tatsache, dass überhaupt Rentenbeiträge für Juden abgeführt wurden, die die Deutschen umzubringen planten. „Die Sozialgerichte verlangten von den Überlebenden Lohnabrechnungen und Nachweise dafür, dass sie tatsächlich gearbeitet hatten. Es war ein beispielloser Skandal“, erzählt Emmanuel Nahshon, Gesandter der israelischen Botschaft in Berlin, der die juristischen Abläufe verfolgt hat.

Jan-Robert von Renesse
Eine unerwartete Wendung erhielt die Angelegenheit, als einer der deutschen Richter, die mit der Bearbeitung der Rentenanträge befasst waren, sich entschied, sich an die Seite der Überlebenden zu stellen. Der Richter Jan-Robert von Renesse kritisierte seine Richterkollegen offen und scharf. Von Renesse, 47, ist Enkel eines SS-Mannes. Seine Frau ist Polin, deren Großvater in einem Konzentrationslager ermordet wurde.
„Ich war schockiert, dass die Richter, meine Kollegen, sich nicht an Historiker und Experten gewandt hatten“, sagte er. „Sie sind einfach auf Wikipedia gegangen und haben sich von dort eine unvollständige Liste der Ghettos heruntergeladen. Wenn ein Überlebender einen Antrag gestellt hat, der in einem Ghetto war, das auf der Liste nicht auftauchte – wurde sein Antrag abgelehnt. 

Ich habe ihnen gesagt, dass das so nicht geht, dass wir einen beratenden Historiker brauchen. Sie erklärten mir, dass das zu teuer sei, dass das zu lange dauern würde und Wikipedia ausreichend sei.“
„Der einzige Beweis dafür, was sie durchgemacht haben, über den die meisten Überlebenden verfügen, ist die Nummer auf dem Arm. Es hat schließlich niemand von der SS ein Dokument erhalten, in dem ihm für seine Arbeit gedankt wird oder etwa einen Rentenbescheid. Wir, die Deutschen, können ihnen doch nicht sagen: ‚Ihr seid selbst schuld, wenn Ihr das nicht nachweisen könnt‘“, erläutert von Renesse. „Es handelt sich hier um Menschen, die während des Krieges gearbeitet haben und für die Rentenbeiträge abgeführt wurden. Warum sollen sie das Geld dann nicht bekommen? Wie kann es sein, dass Deutsche, die während des Krieges gearbeitet haben, ihre Rente erhalten und jüdische Überlebende nicht?“

In seinen Anstrengungen, angemessen auf diese Nöte einzugehen, tat von Renesse etwas, das in den deutsch-israelischen Beziehungen einzigartig war. Er öffnete in Israel eine Art Vertretung des zuständigen Sozialgerichts, um den Überlebenden die Möglichkeit zu geben, persönlich vor einem deutschen Sozialrichter zu erscheinen und dort auszusagen, anstelle lediglich Antragsformulare auszufüllen.
Zwischen 2007 und 2010 besuchte von Renesse Israel acht Mal und nahm Aussagen von etwa 120 Menschen auf. Er verpflichtete sogar das Direktorium der Deutschen Rentenversicherung dazu, zu Verhandlungen nach Israel zu reisen. "Bei jeder normalen Gerichtsverhandlung spricht der Richter mit den beiden Seiten. Das ist selbstverständlich. Aus welchem Grund sollte es mir verboten sein, mit den Überlebenden zu sprechen?“

Rechtsanwalt Yoel Levy, Gründer der Deutsch-Israelischen Juristen-Vereinigung, nahm als Zuschauer an diesen Verhandlungen teil. „Die Überlebenden waren sehr aufgeregt, angesichts dessen, dass ein deutscher Richter sie anhört. Für einen Teil von ihnen war es das erste Mal, dass überhaupt jemand ihre Geschichte angehört hat. Es war wirklich sehr außergewöhnlich“, so Levy.

Von Renesse gab sich mit den Aussagen, die er gesammelt hatte, nicht zufrieden. Er richtete ein Team von Dutzenden Historikern ein, die eine umfassende Studie erstellten und mehr als 500 Berichte zur Arbeit von Juden in den Ghettos abfassten. „Die Deutschen wollten die Juden zwar umbringen und die Beweise dafür vernichten, aber für jeden Brief oder jede Erwähnung gibt es einen Durchschlag. Wenn das Archiv des Ghettos vernichtet wurde, kann man dafür die Kopien im Archiv der Steuerbehörde finden. Mit genug Zeit und Mitarbeitern kann man eine überwältigende Zahl von Beweisen finden“, erklärt von Renesse.

Etwa 90% der Anträge, die durch von Renesse verhandelt wurden, wurde stattgegeben. Tausende erhielten dank seiner die Renten, die ihnen zustanden. Die deutschen Behörden waren davon weniger begeistert. Hintergrund für die Position der Deutschen war die Sorge vor einer Klagewelle, die den deutschen Steuerzahler viel Geld gekostet hätte. Auch die deutsche Bürokratie verhinderte, dass die Beamten die Menschen hinter den Anträgen hätten sehen können. Der Gesandte Nahshon von der israelischen Botschaft in Berlin schätzt, dass Deutschland heute noch etwa 50.000 Überlebenden aus den Ghettos noch etwa 500 Millionen Euro schuldet. Das heißt also, etwa 10.000 Euro pro Überlebenden.

Von Renesse blieb mit seinem Engagement allein. Seine Kollegen und Vorgesetzten taten alles, um ihn in seiner Arbeit zu behindern. „Sie haben begonnen, ihn zu schikanieren und gegen ihn zu intrigieren. Sie haben gegen ihn Disziplinarverfahren wegen übertriebener Benutzung der Heizung in seinem Büro eingeleitet und ihn sogar in ein Büro neben der Toilette versetzt“, erzählt Rechtsanwalt Levy. Der aufmüpfige Richter wurde letzten Endes gegen seinen Willen auf einen anderen Posten versetzt – und die Fälle, die er bearbeitete, wurden ihm entzogen. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen wollte sich auf Anfrage zu dem Fall nicht äußern.

Jan-Robert von Renesse, Emmanuel Nashon und Uri Hanoch
Israel stellte sich allerdings an seine Seite. Er wurde eingeladen, in der Knesset zu sprechen, traf Präsident Shimon Peres und wurde von Rechtsanwalt Levy unterstützt, der sich im Namen der Anwaltskammer an jede nur denkbare Behörde in Deutschland wandte. „Er ist ein Heiliger in Sodom und ein Gerechter unter den Völkern“, so Levy. „Er ist ein Held des jüdischen Volkes“, so Nahshon.
„Ich kämpfe nicht für mich und auch nicht für die Überlebenden. Ich tue das für das Erbe des deutschen Rechtswesens an sich. Wenn ein Richter das Gefühl hat, dass auf ihn unrechtmäßiger Druck ausgeübt wird und seine richterliche Unabhängigkeit davon berührt ist – muss er so handeln, wie ich es tue“, erklärt von Renesse.

2009 hat von Renesse auch Unterstützung vom Bundesverfassungsgericht erhalten, das Regeln aufgestellt hat, die einen Teil der bürokratischen Hürden in der Angelegenheit beilegen. Doch viele der Hürden bestehen fort, unter anderem die Frage, was mit den Anträgen passiert, die in der Vergangenheit abgelehnt wurden.

In der Zwischenzeit wird das Thema in der Bundesregierung und im Bundestag auf höchster Ebene diskutiert. Vor etwa zwei Monaten wurde Uri Hanoch eingeladen, vor dem Sonderausschuss des Bundestages zu erscheinen, der mit der Angelegenheit befasst ist. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie das Gesetz ändern müssen, weil wir gerade jetzt, im Alter, das Geld brauchen. Das sind keine Entschädigungszahlungen – es ist Geld, das uns zusteht für Arbeit, die wir geleistet haben“, so Hanoch.

In einigen Wochen wird der Bundestag sich in einer Sonderdebatte mit dem Thema beschäftigen. Die Überlebenden hoffen, dass an ihrem Ende eine Änderung des Gesetzes zu ihren Gunsten steht. „Die Zeit ist reif“, so Emmanuel Nahshon. „Die Bundesregierung und die Bundestagsfraktionen müssen jetzt eine Entscheidung treffen und einen Weg finden, diesen Überlebenden zu helfen. Es muss eine politische Entscheidung sein, keine juristische. Und sie wird ein weiteres Kapitel in den komplizierten Beziehungen zwischen Israel und Deutschland schreiben.“ 

Der Artikel (gekürzt) ist übersetzt aus dem Original von Haaretz v. 15.Februar. 
Auch erschienen: israelNACHRICHTEN 



Siehe auch: "Two Brothers Struggle To Survive the Holocaust" Video über Uri Hanoch

28.1.13

Internationaler Holocaust Gedenktag

Warum begehen wir am 27. Januar in unseren Gemeinden diesen Gedenktag? Weil es alle christlichen Gemeinden und Kirchen tun, und wir uns verpflichtet fühlen, mitzumachen? Auf jeden Fall ist es für uns anders als in anderen Ländern. In Deutschland wird es immer ein wichtiges Element bleiben, weil wir im Land der Täter leben. Aber Gedenken um des Gedenken willens ist nur ein Ritual.

2007 sagte der damalige Europakommissar Jan Figel anlässlich des Holocaustgedenktages in Brüssel: „Der Holocaust ist nicht nur eine Tragödie die in der Vergangenheit geschah, sondern etwas woran man immer wieder erinnert werden muss, um nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen“.
Ich meine auch, heute gehört zum Gedenken auch das Mahnen und den Blick auf die Gegenwart zu lenken.

Wie steht es um unser Land?
Im vergangenen Jahr fand eine Umfrage durch das Magazin Focus heraus, das jeder 5. Deutsche unter 30 Jahren keine Ahnung hat, was Auschwitz eigentlich war. Was wissen wir Deutschen über den Holocaust? Haben wir die Vergangenheit bewältigt? Können bei uns Juden wieder in Frieden leben uns sich bei uns wieder wohlfühlen? Ist in unserer Gesellschaft Hass gegen Juden ausgemerzt? Und das Land der Juden – Israel? Besteht eine gute Beziehung zwischen Deutschland und Israel?

Die Fragen lassen sich Gott sei Dank nicht mit einem klare NEIN, aber leider auch nicht mit einem klaren JA beantworten. Solange auf deutschen Schulhöfen „Jude“ als Schimpfwort gilt, Menschen beleidigt oder gar angegriffen werden, weil sie als Juden zu erkennen sind, ist solange in Kirchen und in intellektuellen Kreisen hochmütige Moralprediger einseitige Kritik dem Staat Israel gegenüber äußern und helfen, dass alte Ressentiments wieder wachgerufen werden und Antisemitismus begünstigt wird, und solange nicht mal vor Boykottaufrufen gegen israelische Waren haltgemacht wird, solange steht es nicht so gut um unser Land.

Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen.“ Das Wort Gottes an Abraham gerichtet, sollten eigentlich wir Nationen uns zu Herzen nehmen.

Wir Christen können diesen Gedenktag nützen, um für unser Land zu beten, dass Gott Gnade hat, dass die Bevölkerung ihre Ressentiments überwindet und eine Liebe zu Israel aufkeimt.

Wir können für unsere Regierung beten, dass die Verantwortlichen ihre Entscheidungen auf christlichen Werten beruhen lassen und sich zu Israel stellen, auch dann, wenn ihnen das Schicksal der Palästinenser wichtig ist. Wir können für die Christen im Land beten, dass Israel ein Thema in den Gemeinden wird. Wir können vor allem auch für die Medien beten, dass sie durch eine gerechte, ungefärbte möglichst wahrheitsgemäße Berichterstattung ein unverfälschtes Bild über Israel verbreiten. Haben doch die Medien sehr viel Macht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und damit zu fördern, ob Israel verflucht oder gesegnet wird.

Es gehört Mut dazu, sich gegen die allgemeine Meinung zu stellen, leider ist es heute auch mutig, Juden oder Israel zu verteidigen. Heute wie damals, zur Zeit des Dritten Reiches. Nur dass man heute höchstens Angst haben muss, seine Zuhörer oder seinen Ruf zu verlieren. Damals musste man Angst haben, seine Freiheit oder sein Leben zu verlieren.
Ein Beispiel von einem Menschen, der damals keine Angst hatte, Juden zu verteidigen, möchte ich hier vorstellen.


Es dreht sich um Otto Mörike und seine Frau Gertrud.

Er war Pfarrer in der Evangelischen Kirche und Mitglied im Reichsbruderrat der Bekennenden Kirche von Württemberg. Der Bruderrat half Juden und stellte ihnen Zufluchtsorte zur Verfügung.

Mörike stellte sich von Anfang an den Nazis entgegen. Er und seine Frau Gertrud verfassten regimekritische Aufsätze gegen Hitlers Politik.
Währen andere schwiegen, beklagte Otto Mörike auch immer wieder öffentlich die Existenz der Konzentrationslager und die Verbrechen, die die Gestapo ungestraft beging. Die Aggression der Regierung gegen die Kirche und den christlichen Glauben, sowie auch die Abschaffung einer gerechten Gerichtsbarkeit und der Verfall jeglicher Moral, sah Mörike als Beginn einer Entwicklung voraus, die Verdammung von Gott auf sich ziehen würde und damit auch die Zerstörung des Landes.

Er erntete für diese Äußerungen zweimal Angriffe einer wütenden Menschenmenge, die von SA Leuten angeführt wurde. Er wurde schwer misshandelt bevor er inhaftiert wurde. Seine Stellung als Pfarrer in Kirchheim/Teck verlor er danach.

Im November 1943, versteckten Otto und seine Frau das jüdische Ehepaar Max und Karoline Krakauer in ihrem Haus in Flacht, zusammen mit einem verletzten Pflegekind, ihren eigenen fünf Kindern und noch weiteren Personen. Um jeglichen Verdacht von sich abzulenken, trat Mörike mit dem jüdischen Paar in der Öffentlichkeit auf und erklärte allen, sie seien aus Berlin geflohene arische Bekannte.

   Max und Karoline Krakauer
Die Krakauers konnten ohne Meldung bei der Polizei nicht länger als vier Wochen in Flacht bleiben, aber Mörike fühlte sich verantwortlich für das Paar und organisierte bis zum Ende des Krieges andere geheime Unterkünfte für sie.

Am 3. Nov. 1970 beschloss die israelische Organisation „Yad Vashem“, Otto und Gertraud Mörike als Gerechte unter den Völkern anzuerkennen.

11.1.10

40 Tage Fasten und Gebet Für die Gemeinde Jesu, Deutschland und Israel


Zeit: von 6. Januar bis 14. Februar 2010

Deutschland befindet sich – wie alle Nationen – auf dem Weg in das biblische „Tal der Entscheidung“ (Joel 4,14). Dort wird sich letztendlich entscheiden, ob unser Volk zu den „Schafen“ oder den „Böcken“ (Matt. 25,31ff) zählen wird. Auf dem Weg dorthin wird es zu Vorentscheidungen kommen. Zum Beispiel in Bezug auf unsere Stellung zu Gottes Plänen mit Israel und Jerusalem einerseits und den Plänen der EU und der UN auf der anderen Seite. Diese Frage wiederum hängt zusammen mit der Frage, wie ernst Deutschland – nicht zuletzt im Umgang mit dem radikalen Humanismus und dem radikalen Islam – seine eigenen jüdisch-christlichen Wurzeln nimmt.
Das Schicksal Deutschlands wiederum wird maßgeblich davon beeinflusst, inwieweit wir als Gemeinde Jesu in der Gnade Gottes (Röm. 5,20) in unsere Berufung hineinwachsen, inmitten
unserer Gesellschaft „Salz und Licht“ (Matt. 5,13–14) und eine „königliche Priesterschaft“ (1. Petr. 2,9) zu sein.

Und für einen derartigen nationalen geistlichen Durchbruch hin zu dieser neuen Ebene der Vision, der Einheit, der Demut und der Vollmacht der Gemeinde Jesu bedarf es des kollektiven Fastens und Gebets. Sich daran zu beteiligen, dazu möchte ich allen Lesern, ja allen gläubigen Christen in Deutschland von Herzen Mut machen! Die 40-Tages-Initiative Anfang 2010 bietet dazu eine hervorragende Gelegenheit.

Unterstützt wird diese Initiative durch:

Harald Eckert - Christen an der Seite Israels
Ortwin Schweizer - Wächterruf
Michael Winkler - Forum Leben Networking
Jobst Bittner - TOS
Keith Warrington -

Mehr Info hier