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25.5.14

Arabische Christen kämpfen für freie Entscheidung

Bedrängte Verbündete


Arabische Christen, die in Israels Armee Wehrdienst leisten, werden von anderen Arabern angefeindet und als Verräter beschimpft. Am Wochenende erhalten sie Unterstützung: Der Papst kommt ins Heilige Land. 


Hans-Christian Rößler schreibt von dem Dilemma in dem die arabischen Christen in Israel, die Minderheit innerhalb der Minderheit, wirklich sind. Sie kämpfen jetzt darum, sich selber entscheiden zu können, ob sie in der Armee ihres Landes dienen oder nicht. Sie wollen sich nicht von den muslimischen Mitbürgern bevormunden und auch nicht einschüchtern lassen. Wie massiv das aber von Seiten der muslimischen Bevölkerung geschieht, bestätigt auch dieser Bericht.

Dass sie, wenn sie in die israelische Armee eintreten, später einmal gegen ihr arabischen Brüder - innerhalb Israels, in der Westbank oder auch in angrenzenden arabischen Ländern -  kämpfen könnten, muss ihnen bewusst sein. 
Es zeigt sich für sie jedoch mehr und mehr, dass ihre muslimischen Zeitgenossen nicht ihre Brüder, sondern sich schon jetzt als Feinde erweisen, wenn sie sie unter Druck setzen, anfeinden und verfolgen, nur weil sie dienen wollen.

Bedrängte Verbündete


15.4.14

Wie manche Juden Christen sehen

„Schlimmer als Muslime“

„Und du bist tatsächlich Christ?“ Die junge Frau starrt mich mit ungläubigen Augen an. An ihrem langen bunten Rock und dem kunstvoll um den Kopf gebundenen Leinentuch ist sie deutlich als religiöse Jüdin zu erkennen.

Schauplatz ist der Busbahnhof in Jerusalem. Bevor ich zu meinem Termin fahre, hole ich mir noch ein Stück Pizza und bleibe in dem Schnellimbiss sitzen. Die Frau setzt sich neben mich. Sie ist hochschwanger und sicher nicht älter als 24. Wir teilen unser Pizza-Gewürz und kommen ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass sie seit einem Jahr verheiratet ist und außerhalb von Jerusalem wohnt, „in einer Siedlung, die von arabischen Dörfern umgeben ist“.


Ihre Reaktion erinnert mich an die Gesichter mancher, vor allem religiöser, Juden, wenn sie hören, dass ich für einen „Christlichen Medienverbund“ arbeite. „Ach, dann bist du gar keine Chilonit, keine säkulare Jüdin?!“ Würde ich sagen: „Ich bin Terrorist“ – das in ihrem Gesicht zu lesende Unbehagen könnte nicht größer sein. Mein Bekenntnis scheint wie eine Drohung zu klingen. Normalerweise tauscht man nach so einer „Offenbarung“ die üblichen Höflichkeitsfloskeln aus und verabschiedet sich. Die Jahrhunderte lange Verfolgung durch Christen steckt tief im Bewusstsein religiöser Juden.

„Bei Nonnen und Priestern schaue ich weg“

Doch Moriah wendet sich nicht ab. Das Interesse der hübschen Frau mit den feinen Gesichtszügen scheint geweckt. Sie stellt viele Fragen und erklärt nach anfänglicher Skepsis: „Ich habe mich noch nie mit einem Christen unterhalten. Wenn ich in die Altstadt, zur Klagemauer, gehe, schaue ich immer weg, wenn ich Christen sehe. Besonders bei Nonnen und Priestern.“ Die hätten einen bösen Geist. Moriah hält ihre Hand vors Gesicht, der Ekel ist ihr anzusehen.


Die Tochter eines Rabbiners scheint überrascht, dass sie sich mit mir normal unterhalten kann: „Aber du bist ganz freundlich.“ Ich kontere: „Die Nonnen sind es sicher auch. Aber du hast ihnen noch nie eine Chance gegeben.“ Das stimmt, sagt sie. Hätte sie gewusst, dass ich aus Deutschland komme und Christ bin, hätte sie sich ja auch nicht neben mich gesetzt, geschweige denn, ein Gespräch mit mir begonnen.

Sie fragt, wo ich hinfahren möchte, und als ich ihr erzähle, dass ich in ein muslimisches Dorf fahre und mit den Bewohnern Arabisch spreche, ist sie erstaunt: „Ich habe mich auch noch nie mit einem Muslim unterhalten.“ Nach einer kurzen Pause fragt sie neugierig: „Wie sind die denn so?“ Ich frage sie, wem sie lieber begegnen würde, einem Christen oder einem Muslim. Die Antwort kommt prompt: „Wenn ich die Wahl hätte? Natürlich dem Muslim. Christen sind doch viel schlimmer als Muslime.“

Moriah ist erstaunt, als ich sage, dass der Glaube an Gott auch für mich eine große Rolle spielt: „Ja, aber welche denn?“, fragt sie: „Du siehst aus wie eine Frau, die nicht an Gott glaubt – du trägst Hosen und hältst nicht die Gebote. Ich hingegen richte meinen gesamten Tagesablauf auf Gott und seine Gebote aus.“ Ich erzähle ihr, dass auch ich mich an biblische Gebote halte und dass ich vor allem meine Gedanken davon bestimmen lassen möchte. Aber irgendwie erscheinen mir alle meine Erklärungsversuche banal. Sie ist so viel frömmer …

Nach der Pizza zieht sie ihr kleines Gebetsbüchlein aus der Tasche und liest den Segen, der zu einem Teiggericht gehört. In meinem stotternden Hebräisch darf ich mit ihr lesen. Bei meinem Lesetempo dauert der Segen mehrere Minuten, doch sie ist eine geduldige Lehrerin.

Als wir uns verabschieden, sind eineinhalb Stunden vergangen. Moriah gibt mir ihre Telefonnummer und stellt fest: „Dieses Treffen war ein Geschenk des Himmels.“ Ich warte auf den nächsten Bus und wünsche mir, dass die Gottesbeziehung auch in meinem Leben sichtbarer wird, dass wir Christen insgesamt gottgefälliger leben. Sodass Menschen wie Moriah irgendwann antworten werden: „Wem ich lieber begegnen würde? Natürlich dem Christen!“

Aus: nai - Israelnetz.com

24.3.14

Weltkirchenrat: Keinen Keil zwischen die Araber treiben

Der Weltkirchenrat warnt vor einer rechtlichen Unterscheidung zwischen christlichen und muslimischen Arabern in Israel.
 
Eine Ende Februar vom israelischen Parlament Knesset verabschiedete Gesetzreform definiere den Status palästinensisch-arabischer Christen im Staat Israel »gegen ihren eigenen Willen«, erklärte der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf. 

Auch der frühere Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbach, und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Munib A. Younan von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, kritisierten eine "Unterscheidung zwischen christlichen und muslimischen Palästinensern".

Hintergrund ist die Änderung bei der Besetzung einer Regierungskommission für gleiche Chancen bei der Arbeitsplatzvergabe. Bislang waren fünf benachteiligte Bevölkerungsgruppen durch jeweils einen Vertreter in der Kommission vertreten.

Künftig sollen zehn Gruppen repräsentiert werden, davon drei separate für die arabische Bevölkerung: Christen, Drusen und Muslime.

Tsiona Koenig-Yair, Vorsitzende der Kommission, lehnt die Reform ab, die sie als "künstlich" empfindet. "Die Araber haben sich bisher gesamt um die arabische Bevölkerung gekümmert", erklärte sie am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst. Es gäbe keinen Grund das künftig anders zu handhaben.

Der Likud-Abgeordnete Jariv Levin, der die Reform initiierte, macht keinen Hehl daraus, genau das zu beabsichtigen.
"Dies ist ein historischer Schritt", kommentierte Levin, der weitere Reformen plant. Ziel ist "uns (Juden) mit den Christen zu verbinden, und ich achte sorgsam darauf, sie nicht Araber zu nennen, denn sie sind keine Araber". Mit den Christen habe man vieles gemein. "Sie sind unsere natürlichen Verbündeten, ein Gegengewicht zu den Muslimen, die unser Land von innen zerstören wollen."

Mit der Rechtsreform ändert sich für Israels Christen konkret kaum etwas.
Doch zum ersten Mal in der Geschichte des Staates Israel wird die arabische Bevölkerungsgruppe mit zweierlei Maß gemessen. Bislang schien kein Zweifel darüber zu bestehen, dass sich die Christen selbst als Teil der arabischen Gruppe empfinden. Beide Religionen gehörten bei der Staatsgründung zur selben Schicksalsgemeinschaft.

Die jüdische Führung wiederum machte umgekehrt keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen.
Anstatt eine Aufspaltung zu fördern, sollte die Knesset "Barrieren abreißen, die die Menschen aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit voneinander trennen", forderten jetzt Kirchenvertreter. 

Auch die derzeit von Politikern erwogene Wehrpflicht für Christen stößt auf Widerstand. "Die Christen sind stolzer Teil der arabischen Nation und des palästinensischen Volkes", erklärte ein christlicher Knesset-Abgeordnete.

UK UnsereKirche Evangelistische Zeitung für Westfalen und Lippe

siehe auch in diesem blog:

Neues Gesetz erlassen: Unterscheidung zwischen muslimischen und christlichen Arabern

 

6.3.14

Neues Gesetz erlassen: Unterscheidung zwischen muslimischen und christlichen Arabern

Kritiker verurteilen das Gesetz als Versuch, die israelische arabische Bevölkerung zu "teilen und zu erobern".
Die Knesset hat ein kontroverses Gesetzt verabschiedet, dessen ultimatives Ziel es gemäß seines Initiators ist, zwischen muslimischen und christlichen Arabern zu unterscheiden und die Einbindung von Christen in der israelischen Gesellschaft zu verstärken.

Kritiker schmetterten das Gesetz, das der Abgeordnete Yariv Levin (Likud) initiert hatte, mit der Begründung ab, dass es einen Versuch forme, die arabische Bevölkerung zu "spalten und zu erobern" - eine Anschuldigung, die Levin anscheinend in einem kürzlichen Interview bestätigt hat.

Das Gesetz fordert, was ursprünglich nur eine kleine Veränderung in der Zusammensetzung des öffentlichen Beirats zu sein schien, der durch das "Equal Employment Opportunities Gesetz" von 1988 ernannt wird. 
Es würde dieses Gremium von fünf Mitgliedern, welche Arbeiterrechte vertreten, auf zehn Mitglieder erweitern, die nun auch christliche, muslimische, drusische und tscherkessische Vertreter mit einschließen.

Das Gesetzt kam mit 31 gegen sechs Stimmen durch, obwohl Equal Employment Opportunity-Beauftragte Ziona Koenig-Yair in einer Gesprächsrunde des Kommitees vor zwei Wochen klar machte, dass sie dagegen sei und es als überflüssig ansieht - "wie ich auch nicht an einer getrennten Vertretung für litauische Haredim und sephardische Haredim interessiert wäre", sagte sie. "Außerdem gibt es ja auch keine Gruppen, die Arbeit für verschiedene Gruppierungen in der arabischen Bevölkerung an sich anbieten, sondern immer für die arabische Bevölkerung als Ganzes."

Chaim Katz, der Vorsitzende des Knesset Arbeits-, Sozial- und Gesunheitskomitees, stellte das Gesetz dem Plenum mit den Worten vor: "Das Ziel ist, sich um Bevölkerungsgruppen, die es im Arbeitsmarkt schwerer haben, zu kümmern und für sie im Öffentlichen Beirat eine Repräsentierung zu schaffen." 
Aber die opponierenden Parlamentsmitglieder waren davon nicht überzeugt. "Vielleicht sollten wir die jüdische Bevölkerung auch in Polen, Yemeniten und Marokkaner aufteilen?" fragte die Vorsitzende der Meretz-Partei, Sahava Gal-On. Und der Abgeordnete Isawi Freij fügte hinzu: "Wir sind im Grunde genommen in einer Situation, wo versucht wird, den Staat gemäß der Religionen zu definieren. Hier will man behaupten, dass es einen Unterschied zwischen muslimischen Arabern und christlichen Arabern gäbe."
 
Das Gesetz wurde nach Wochen erhitzter Debatten im Arbeitskomitee verabschiedet. In der letzten Diskussion kritisierte der Vorsitzende der "Balad-Partei" Levin. "Die Rechte der Araber interessieren Herrn Yariv Levin in keiner Weise", sagte er. "Es ist nicht ein spezielles Problem von Beschäftigung von Christen oder Drusen. Levin will nur die arabische Öffentlichkeit auf grausame Weise spalten, die schon genug unterdrückt ist. Wir werden aber nicht seine Lakaien sein."
In einem Interview, das Levin für die Maariv Zeitung gab, gab er dies auch als seine Absicht zu, die Gesetzgebung dahingehend zu verändern, dasss eine Unterscheidung zwishcen der christlich-arabischen Bevölkerung, (die er nur "Christen" nennt) und der muslimischen Bevölkerung gemacht wird. "In meiner Amtszeit", so Levin im Interview, "soll es getrennte Vertretungen und getrennte Zuwendung für die Christliche Öffentlichkeit geben, getrennt von den muslimischen Arabern... und das ist ein historischer und wichtiger Schritt, der helfen könnte, den Staat Israel auszubalancieren, und uns und die Christen verbände - ich will sie nicht mal Araber nennen, denn sie sind keine Araber. 
Wenn es nach Levin geht, können Christen Vorsitzende von Regierungsfirmen sein, sie werden eine extra Vertretung bekommen in den lokalen Ämtern und gleiche Beschäftigungsgelegenheiten. Das erste Gesetz, das ich durchbringen werde, wird den Christen Macht in der öffentlichen Kommission des "Equal Employment Gesetz"geben. 

Er fügte hinzu: "Wir und die Christen haben vieles gemeinsam. Sie sind unsere natürlichen Verbündeten, ein Gegengewicht zu den Muslimen, die das Land von innen heraus zerstören wollen. Im Übrigen haben wir eine Botschaft: Wir werden uns eisern zeigen wenn wir null Toleranz gegenüber Arabern zeigen, die meinen, sich mit dem Terror des Palästinensischen Staates zu identifizieren."

Original: Haaretz   v. 25.2.2014

7.2.14

Heftiger Streit um den Status der israelischen Christen

Sollen israelische Christen mit arabischer Muttersprache als eigenständige Minderheit anerkannt werden, getrennt von den Arabern muslimischen Glaubens? 
Um diese Frage wurde im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit des israelischen Parlaments heftig gestritten. Die Debatte wurde durch eine Gesetzesinitiative des Abgeordneten Yariv Levin (Likud-Partei) ausgelöst.

 Nach seinen Vorstellungen haben die christlichen Araber Anspruch auf eine eigenständige Vertretung in Gemeinderäten und anderen Gremien. Die muslimischen Parlamentsabgeordneten reagierten entsetzt und verärgert.

Levin hatte zuvor in einem Interview erläutert, seine Gesetzesinitative sei sinnvoll, „weil wir (Juden) viele Gemeinsamkeiten mit den Christen haben. Das sind unsere natürlichen Verbündeten, und sie sind ein Gegengewicht zu den Muslimen, die unser Land von innen heraus zerstören wollen.“
Die arabischen Knesset-Abgeordneten waren aufgebracht. „Levin will die arabische Öffentlichkeit auseinanderdividieren, die ohnehin schon unterdrückt wird. 
Wir sind doch nicht seine Sklaven“, rief der Abgeordnete Jamal Zahalka (arabische Balad-Partei).

 Seine Parteifreundin Hanin Zoabi (Foto) meinte, das Gesetz führe zu einer wachsenden Feindlichkeit der Araber gegenüber Israel.

Der Ausschuss hörte auch den nordisraelischen Christen Shadi Halul an. Er setzt sich dafür ein, dass junge Christen mit arabischer Muttersprache in der Armee dienen. Dabei verweist er auf ihr aramäisches Erbe, das viel bedeutender sei als eine aufgezwungene arabische Identität. „Ich bin stolz, ein Christ zu sein“, unterstrich Halul, „wir haben das Recht auf Selbstbestimmung.“ Halul zeigte auf die muslimischen Abgeordneten und riet dem Ausschuss: „Hören Sie nicht auf diese Rassisten!“

Hanin Zoabi beschimpfte Halul daraufhin als Feigling. Er solle diese Botschaft auf den Straßen von Nazareth verkünden, dort würde er von den örtlichen Muslimen und Christen mit anderer Auffassung „die passende Antwort erhalten.“ Die kaum verhüllte Drohung führte zum Rauswurf Zoabis aus der Anhörung.
Israelische Knesset
 Tatsächlich haben Halul und seine Freunde keine Scheu, in den christlichen Dörfern für Loyalität zum israelischen Staat zu werben. Sie werden seither von Muslimen bedroht. Doch immer mehr junge Leute hören auf ihre Botschaft und verabschieden sich von dem Hass, der ihnen durch ihre angebliche „arabische Identität“ vermittelt wurde.

israelheute

28.1.13

Das befürchtet Israel

In fünf Jahren stellen die Palästinenser die Mehrheit zwischen Jordan und Mittelmeer. Gemäß neuen Angaben des palästinensischen Statistikbüros in Ramallah zählen die Palästinenser weltweit 11,6 Millionen. 2,7 Millionen leben in Judäa und Samaria, 1,7 Millionen im Gazastreifen. 1,4 Millionen Palästinenser sind israelische Staatsbürger, 5,5 Millionen leben in den arabischen Staaten im Nahen Osten, 650.000 in anderen Staaten.

Heute stehen zwischen den zwei Wassergrenzen 5,8 Millionen Palästinensern 6,1 Millionen Juden gegenüber. Israels Bevölkerungszahl beträgt Ende 2012 offiziell 7.981.000, davon sind 1,4 Millionen Muslime, 150.000 arabische Christen und 320.000 sogenannte Andere. "Wir werden die Mehrheit zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan sein. Damit müssen sich die Israelis abfinden", sagte die palästinensisch-christliche Politikerin Hanan Aschrawi.