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4.5.14

Ein Segen für das Land

Sozialarbeit, Hilfe für Randständige, Kampf für Menschenrechte: Die wachsende Jesusgemeinde in Israel engagiert sich in vielfältiger Weise für das Land.

Von Susanne Wustl und Lisa Loden

Immer mehr Israelis erkennen in Jesus den in der Bibel verheißenen Messias. Die schätzungsweise 12 000 messianischen Juden Israels und die arabischen Christen haben über das eigentliche Gemeindeleben hinaus regen Anteil am gesellschaftlichen und politischen Leben des Landes. So setzen sich die in 120 Gemeinden organisierten messianischen Juden für sozial Benachteiligte ein, engagieren sich für Menschenrechte und beteiligen sich am Kampf gegen diskriminierende Gesetze.

Israel leidet an den Konflikten zwischen Juden und Arabern, zwischen Juden aus Osteuropa und solchen aus dem Nahen Osten, zwischen ultraorthodoxen Juden und säkular eingestellten. Und auch die Dauerbedrohung durch benachbarte Länder zermürbt die Menschen. Armut ist ein großes Problem in Israel. Von der Regierung veröffentlichte Statistiken belegen, dass ein Viertel der israelischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt. Mehr als ein Drittel der israelischen Kinder und 20 Prozent der Senioren leben in Armut. Davon sind auch viele Überlebende der Shoah betroffen. Diese soziale und politische Entwicklung blieb den messianisch-jüdischen Gemeinden im Land nicht verborgen und sie sehen einen geistlichen Auftrag darin, hier Verantwortung zu übernehmen. 

 
Von Eilat im Süden bis Kirjat Schmonah im Norden gibt es viele Gemeinden, die helfen wollen. In Israel ist es üblich, dass sich nahezu jede Gemeinde sozial engagiert. So hat die russisch-stämmige Gemeindebewegung Living Israel landesweit Drogenrehabilitationszentren gegründet und ist am Tel Aviver Busbahnhof, einem der sozialen Brennpunkte des Landes, aktiv.

Viele sind durchs soziale Raster gefallen und ins Elend gestürzt, das nirgenswo so sehr ins Auge sticht, wie hier in der Gegend um den alten zentralen Busbahnhof von Tel Aviv. Wer ihn noch in den 70er Jahren gesehen hat, wird ihn heute nicht mehr wiedererkennen: Aus Wohnraum wurden Bordelle, in Gassen und Hinterhöfen werden Drogen konsumiert und Gewalt ist allgegenwärtig – alles am helllichten Tag. Flüchtlinge leben als Obdachlose in den Straßen.

Hier engagiert sich besonders das Red Carpet Center, eine weitere Initiative messianischer Juden. Das Red Carpet Center ist eine Anlaufstelle für die hier Gestrandeten, meist sind es Prostituierte, viele von ihnen sind drogenabhängig.

Das Zentrum bietet den Frauen eine Pediküre und Maniküre an, hier bekommen sie ein warmes Essen, es eröffnet sich ein vertrauensvoller Rahmen für Gespräch und auch für Gebet. In einem Bericht der vom messianischen Israel College of the Bible herausgegebenen Zeitschrift Vehaskel heißt es: „Die Frauen sind Jüdinnen und Araberinnen, Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion …, ja sogar aus Europa und Fernost. Die meisten sind drogenabhängig und alle gehen auf den Strich. Auch Menschen aus der Transgender-Gruppe und sogar ein Homosexueller kamen ins Zentrum und wurden behandelt. Während der Behandlung haben wir Gelegenheit, ihnen zuzuhören, Rat zu geben, ihnen das Evangelium zu verkündigen ...“

Machaseh Association
Ein weiteres Beispiel gelebter Nächstenliebe ist die Sozialarbeit Machaseh in Jerusalem. Die Gründerin Lena Levin, selbst alleinerziehende Mutter von vier Kindern, bezeichnete dem Philippus-Dienst gegenüber, einem Versöhnungs- und Hilfswerk, welches arabische und jüdische Christen in Israel unterstützt, Machaseh als eine Zuflucht für Menschen, die sonst niemand mehr haben. Sie sieht ihre Berufung darin, die bedingungslose Liebe Gottes an alle Menschen weiterzugeben, ohne Ansehen der Person oder Religion. Sei es eine Speisung für Holocaustüberlebende , die Versorgung bitterarmer Familien oder auch Seelsorge und Gebet für Missbrauchte – dies alles bringt die aus Kiew eingewanderte Lena mit ihren ehrenamtlichen Helfern zuwege. Selbst Jerusalemer Gemeinden vertrauen traumatisierte Mitglieder der Fachkompetenz des Machaseh-Teams an.

Eine Betroffene schreibt über Machaseh: „Vor sieben Jahren bin ich von Ashdod nach Jerusalem gezogen. Ich wurde von meinem Mann geschlagen. Daher versuchte ich es allein. Ich hatte große wirtschaftliche Probleme. Ich wandte mich an die Sozialbehörden und bat sie, für meine Kinder zu sorgen und sie woanders unterzubringen … im Laufe der Zeit wurde ich emotional und körperlich immer schwächer … Dann kam ich in Kontakt mit Machaseh. Die Leiterin half mir und machte einen Plan mit mir, der Seelsorge, Gebet, Englischunterricht, Berufsberatung und Erziehungsberatung beinhaltete. Jetzt bin ich bald an meinem wichtigsten Ziel angelangt: meine Kinder zurückzubekommen und ihnen ein stabiles, gutes Zuhause zu geben. Mit der Hilfe von Machaseh habe ich vieles bewältigen können und heute studiere ich Jura ...“

Eine wichtige Rolle im christlich motivierten politisch-sozialen Engagement spielt auch das 2004 von dem jüdisch-messianischen Rechtsanwalt Calev Meyers gegründete Jerusalem Institute of Justice, JIJ (Jerusalemer Institut für Gerechtigkeit). Menschenrechtsfragen und die Fürsprache für die Schwachen stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten dieser Organisation. Der Einsatz für die Opfer von Menschenhandel sowie die aktive Unterstützung von Fördermaßnahmen für eingewanderte Äthiopier sind dafür zwei Beispiele. Calev Meyers begründet seine breit angelegte Arbeit für Ausgegrenzte und Benachteiligte im jüdischen Staat mit seinem Glauben.

Calev Meyers
Immer wieder stellt das JIJ diskriminierende Vorgehensweisen der Regierung innerhalb des israelischen demokratischen Systems in Frage. In den acht Jahren seines Bestehens war es mit mehr als 500 Fällen befasst, bei denen es nicht selten um die Wahrung der Religionsfreiheit ging. Durch Anrufung der Gerichte gelang es der Organisation, für „Gebetshäuser“ aller Glaubensrichtung eine Befreiung von Kommunalsteuern zu erwirken. Außerdem nimmt das Institut messianische Gläubige gegen die Anklage der illegalen Evangelisation in Schutz und verteidigt das Recht Geschiedener, ihre Kinder im messianisch-jüdischen Glauben zu erziehen.

 
Im vergangenen Jahr betrieb das Institut Lobbyarbeit für einen Gesetzentwurf, der es ermöglicht, Kunden Prostituierter strafrechtlich zu belangen. Schon in der ersten Lesung vor der Knesset wurde dieser Entwurf einstimmig verabschiedet.

Mit einer Petition an den Obersten Gerichtshof möchte das JIJ auf die Abschaffung des „Civil Union Law“ hinwirken, wodurch die Bürger das Recht bekämen, ungeachtet der Religion in Israel zu heiraten. Ein Erfolg dieser Campagne hätte große Auswirkungen auf die messianischen Juden, da viele Ehepaare in den Gemeinden aus einem jüdischen und einem nicht jüdischen Teil bestehen. Bisher müssen diese Paare für eine vom Staat rechtskräftig anerkannte Ehe noch im Ausland heiraten.

Neben diesen vielfältigen Einsätzen für Bürgerrechte und Gerechtigkeit erhebt das Institut seine Stimme auch für Israel selbst als Gegengewicht zu den antiisraelischen Vorurteilen in internationalen Kreisen und bedient sich unterschiedlicher Strategien, um dieses Ziel zu erreichen: pro-israelische Kundgebungen, Social-Media-Kampagnen, Weiterbildungen und Informationen für israelische Rechtsanwälte und Präsentationen vor hochrangigen Führungspersonen der US-Regierung oder Vertretern des Europäischen Parlaments. Calev Meyers hatte im Frühjahr 2012 – als mitten in der Finanzkrise von der EU eine weitere Milliarde Euro für die palästinensische Autonomiebehörde bereitgestellt werden sollte – EU-Parlamentariern einen Bericht vorgelegt, der die schweren Menschenrechtsverletzungen der palästinensischen Führung dokumentiert. Meyers konnte hohen EU-Vertretern darlegen, dass ihre finanzielle Unterstützung der PA in die Hände von Terroristen gelangt. 

 
Aus Sicht auch der palästinensischen Christen ist es völlig unverständlich, dass die EU die korrupten palästinensischen Behörden mit gewaltigen Summen unterstützt. Die führende Oberschicht würde sich bereichern während kaum Geld für die Infrastruktur oder Bildung investiert wird.
Wir hoffen, die EU stoppt diese Gelder oder achtet darauf, dass sie nicht in dunklen Kanälen verschwinden“, sagen sie.

Die vielfältige und wachsende christliche Gemeinde Israels – seien es messianische Juden, palästinensische oder russisch-stämmige Christen – versteckt sich nicht in einem geistlichen Elfenbeinturm, sondern übernimmt Verantwortung. Die Jesus-Nachfolger Israels sind ein Segen für das Land. Der Philippus-Dienst unterstützt sie in ihrem Engagement.
Wenn Jesus heute nach Israel käme, würde man ihn vielleicht im Bereich des Busbahnhofs von Tel Aviv oder in den Armensiedlungen von Jerusalem antreffen.

aus: Factum, aktuelles Heft 3/2014


31.3.14

Christen in Israel zur EU: "Tut etwas gegen die ethnische Säuberung von Christen in arabischen Ländern!"

150 christliche Bürger Israels haben am 23. März vor der Versammlung der EU-Delegation in Tel Aviv gegen das anhaltende Schweigen der EU bezüglich der - wie sie es nennen - ethnischen Säuberung von Christen im ganzen Nahen Osten demonstriert. 

von Aryeh Savir (23. März 2014)

Die Demonstranten forderten, dass die EU ihren eigenen Ruf nach Menschenrechten ernst nehmen und für die Christen im ganzen Nahen Osten kämpfen soll, die überall, außer in Israel, bald verschwunden sind. 
Pater Gabriel Nadaf, ein griechisch-orthodoxer Priester aus Nazareth, ein starker Verfechter für das Eintreten der christlichen Araber in die israelische Armee, forderte, dass die Angriffe auf Christen gestoppt werden müssen und dankte Israel dafür, eine warmherzige Heimat für Christen zu sein.

Shadi Halul, Sprecher der "Christian Lobby" (CL), die den Protest organisiert hatte, sagte: "Wir waren Zeuge wie in der Vergangenheit die Welt schwieg, als sechs Millionen Juden abgeschlachtet wurden. Hier in Israel, wo wir Freiheit des Glaubens, Schutz und ein normales Leben genießen dürfen, wollen wir aufstehen und es hinausrufen und an die EU appellieren, die Menschenrechte in Israel und in der ganzen Welt zu sichern. Tut etwas und wiederholt nicht die Fehler der Vergangenheit! Wir erhalten ständig Berichte von unseren christlichen Geschwistern überall in Nahost, in denen sie um Hilfe flehen und uns um unseren Status als israelische Bürger beneiden."

Foto: IsraelHeute
Die Woche zuvor hatte die "Christian Lobby" einen Brief an den EU Botschafter in Israel und 18 andere westliche Botschafter gesandt, indem sie gegen ihre Untätigkeit protestierten. "Wir, die Mitglieder der "Christian Lobby" in Israel fanden es an der Zeit, uns mit einem Aufschrei an Sie zu wenden und die Menschenrechts- und Bürgerrechtslage unserer christlichen Brüder im gesamten Nahen Osten zu beklagen. Die Metzelei, Verfolgung, Diskriminierung, Apartheid, ethnische Säuberung und sonstigen Verbrechen, die gegen die einheimische aramäischen und christliche Bevölkerung im Nahen Osten, in Ägypten, Syrien, Irak, Gaza, Libanon und der Palästinensischen Autonomie und vielen anderen begangen wurde und ohne jegliches Eingreifen der westlichen Länder weiter begangen wird," heißt es in dem Brief.

In dem Brief wird von der EU gefordert, dass sie etwas unternimmt. "Wir wenden uns an Sie, als Repräsentant der westlichen Länder, die die Werte der Rechte der Menschen und Bewohner auf ihrer Flagge eingraviert haben. Steht auf und greift ein! Beweisen Sie den Hingemordeten und den Verfolgten und auch sich selbst, dass Sie für diese Werte stehen und handeln Sie dementsprechend und zwar voll und ganz und nicht nur halbherzig."

Und dann greifen sie die EU wegen ihrer Doppelmoral bezüglich Israel an. "Dieses Fehlen eindeutiger Schritte durch die europäischen und westlichen Länder und das Andauern dieses grauenvollen Zustands verblasst im Gegensatz zu den Doppelstandards und der Heuchelei Europas und des Westens gegenüber Israel, dem jüdischen und demokratischen Land, welches Religionsfreiheit, Menschenrechte und Verteidigung für jede religiöse und ethnische Minderheit bereitstellt. Es gibt keinen Zweifel darüber, dass im Nahen Osten der sicherste und freieste Ort für Christen sowie auch für andere Minderheiten der Staat Israel ist ... das Ausbleiben jegliches Einsatzes für Christen in den arabischen Ländern im Nahen Osten, stellt die Aufrichtigkeit der Erklärungen und Absichten Europas und des Westens bezüglich Menschenrechte und Menschlichkeit in Zweifel. Es scheint sogar, dass der Umgang mit Israel die Fehler des Westens im Nahen Osten zudecken soll, Fehler, die die Verbrechen und Grausamkeiten gegen Christen fortdauern lassen."

Von hier aus, von dem Staat Israel aus, einem Staat, der von einem Volk gegründet wurde, das verfolgt und gemordet wurde, während die Welt dabeistand und zuschaute, rufen wir, die Mitglieder der "Christian Lobby" aus: "Nicht mehr!", wir wollen nicht mehr schweigen. Keine Preisgabe von Christen mehr im Nahen Osten. Keine Doppelmoral und Heuchelei mehr. Und "JA" zum Ergreifen von Maßnahmen für die verfolgte christliche Minderheit.

Wir fordern die Einmischung Ihres Landes, um die ethnische Säuberung, die gegen das östliche christliche Volk in den arabischen Ländern und im Nahen Osten begangen wird, zu stoppen," heißt es am Ende in dem Brief.

Eine kürzlich veranstaltete Studie warnt davor, dass Christen in den biblischen Kernländern des Nahen Ostens von der völligen Ausrottung bedroht sind. Laut dem London Daily Telegraph, der die Studie zitiert, sind 10 Prozent der Christen weltweit - etwa 200 Millionen - "wegen ihres Glaubens sozial benachteiligt, schikaniert oder aktiv unterdrückt." Mit über 2,3 Milliarden Christen weltweit, sagt die Studie, stehen die Christen in der Region, wo das Christentum seinen Ursprung hatte - dem Nahen Osten - im größten Maße Verfolgung gegenüber.

Aryeh Savir ist Direktor der internationalen Abteilung der Tazpit News Agency.

http://www.jewishpress.com/news/breaking-news/christians-in-israel-to-eu-stop-christian-ethnic-cleansing-in-arab-countries/2014/03/23/

25.8.13

Nicolas Winton, die englische Variante des Schindler

Er ist heute 104 Jahre alt und wirkt dabei munter und humorvoll. Sir Nicholas Winton. Jahrzehnte lang hatte er nie über die Ereignisse gesprochen, denen annähernd 700 Menschen ihr Überleben im 2. Weltkrieg verdanken. Seine Frau fand eines Tages, Ende der 80er Jahre und damit fast 50 Jahre später, auf dem Dachboden des Hauses ein Notizbuch mit Aufzeichnungen ihres Mannes. Es waren Skizzen mit Fotos von Kindern aus dem Jahr 1939.

Nicky mit einem Kind
Nicky Winton arbeitete als junger Mann erfolgreich an der Börse. 1938 wollte er einen Skiurlaub in der Schweiz verbringen, wurde dann jedoch von Freunden nach Prag eingeladen. Er war damals 29 Jahre alt, als er in Prag miterlebte, wie jüdische Familien verzweifelt versuchten, aus Tschechien auszureisen und scheiterten. Tief berührt von ihren Schicksalen machte er sich zurück in London daran, einen Plan zur Rettung der Kinder zu erarbeiten. Ein britisches Gesetz erlaubte die Einreise von Flüchtlingskindern unter 17 Jahren. 
 
Trailer des Films: "Nicky's Family"

Also organisierte Nicky Winton Visa, sammelte Gelder für die Reisekosten und suchte nach Adoptivfamilien für die Kinder. Es waren mehrere Zugfahrten geplant, die letzte sollte am 3. September 1939 stattfinden, doch leider konnte dieser letzte Zug nicht mehr das Land verlassen.

Nicky (Mitte) mit einigen der Kinder, die er gerettet hatte
Die meisten Kinder, die Dank Sir Nicholas Winton überlebten, verloren ihre Familien in der Shoah.

Text von Gan Eden

26.7.13

Irena Sendler, weibliche Variante des Oskar Schindler

Passend zum Thema des Vorposts:

Sie versteckte und schmuggelte Kinder in Koffern, Rettungsautos, Särgen, Abwasserrohren, Rucksäcken und in einem Fall sogar in einer Werkzeugkiste. Diejenigen, die man heute noch fragen kann, die sich an sie erinnern, kannten ihre Retterin nur mit dem Code-Namen "Jolanta".
Sie selbst hatte sich alle richtigen Namen notiert und und auch die neuen Identitäten, die für die Kinder erdacht wurden, um sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Das alles tat sie, um die jungen Menschen später wieder ihren Familien zuführen zu können.

Ohne zu übertreiben, war Irena Sendler eine der bemerkenswertesten und edelmütigsten Figuren, die aus dem Horror des 2. Weltkrieges aufgetaucht waren, und bis vor kurzem waren ihr unglaubliches Mitgefühl und ihr Heldentum kaum entdeckt und niedergeschrieben. 

Als die Deutschen sie schließlich dann doch schnappten, hatte es die katholische Sozialarbeiterin geschafft, 2.500 jüdische Babys und Kleinkinder vor der Deportation in Konzentrationslager zu retten. Sie hatte sie aus dem schwer bewachten Warschauer Getto verschwinden lassen und ihre Identitäten sämtlichst in zwei Glasbehältern versteckt, die unter einem Apfelbaum im Nachbargarten vergraben waren.
Sie wurde geschlagen, gefoltert und von der Gestapo zum Tode verurteilt, welche auch ihre Hinrichtung meldete.

Sie starb im Mai 2008 in ihrer bescheidenen Warschauer Wohnung im Alter von 98.
Was für eine Frau, der die Bezeichnung "Heldin" wohl ansteht, aber von solch einem Beifall wollte sie nichts hören. Sie sagte nur: "Ich wurde in dem Glauben erzogen, dass ein Ertrinkender gerettet werden muss, gleich welcher Religion oder Nationalität er angehört. Das Wort Heldin ärgert mich ziemlich. Das Gegenteil stimmt doch. Ich bin ständig voller Schmerzen, dass ich so wenig getan habe."

Irena schrieb ihren Hang, Gutes zu tun, dem Einfluss der Eltern zu, insbesondere dem ihres Vaters, einem polnischen Mediziner aus einer kleinen Stadt bei Warschau. Dessen Patienten waren zum größten Teil arme Juden. Er starb bei einer Typhus Epidemie, als Irena sieben Jahre alt war. 
Als die Deutschen 1939 Polen überfielen, arbeitete Irena als verantwortliche Beamte im Warschauer Sozialamt. Dort war sie für Lebensmittelausgaben und finanzielle Hilfen für die Armen der Stadt zuständig.

Nachzulesen hier

30.4.13

Israel – dieses glückliche kleine Land

Als die Feiern zum Unabhängigkeitstag Dienstagabend nachließen, hatte Premierminister Benjamin Netanjahu einen Gastauftritt in der linke Satiresendung Eretz Nehederet auf Kanal 2. Eine der Schlussfragen, die Moderator Eyal Kitzis dem Premier stellte, war, wie dieser sich wünscht, dass man sich an ihn erinnert, nachdem er aus dem Amt scheidet.
Netanjahu dachte einen Moment nach und sagte: „Mir wäre lieb, wenn man sich an mich als den Führungspolitiker erinnert, der Israels Sicherheit bewahrte.“
Auf den ersten Blick könnte Netanjahus Ziel öde erscheinen. In einem Jahr wird er der Premierminister mit der längsten Amtszeit in der Geschichte des Staates sein und alles, was er will, ist die nationale Sicherheit zu bewahren? Warum zielt er so tief? Und doch reagierte das Publikum im Studio auf Netanjahus bescheidenes Ziel mit donnerndem Applaus.
Nach einer Pause zum Sammeln seiner Gedanken murmelte ein klar verwirrter Kitzis so etwas wie „Nun, wenn Sie es schaffen Frieden zu schließen, hätte ich nichts dagegen.“
Das Publikum war still.
Der Unterschied zwischen dem Jubel des Publikums und Kitzis schockierter Enttäuschung über Netanjahus Antwort offenbarte – einmal mehr – die klaffende Lücke zwischen der Sicht auf die Welt des israelischen Mainstreams und der, die Mitglieder unserer Elite-Klasse teilen.
Die israelische Öffentlichkeit gab unseren Eliten in den 1990-er Jahren die Gelegenheit ihre Friedensfantasien auszuprobieren. Wir gaben ihrem Frieden eine Chance, was uns mit massivem Terror und internationaler Isolation vergolten wurde.

Wir haben kein Interesse daran, diese Erfahrung noch einmal zu machen.
Wir werden den Linken gegenüber freundlich sein, wenn sie höflich sind. Wir würden sogar ihre Sendungen sehen, wenn nichts anderes läuft oder sie leidlich unterhaltsam sind. Aber wir werden ihnen nicht mehr zuhören.
Das ist der Grund, dass US-Präsident Barack Obamas Besuch im März keinen Einfluss auf die öffentliche Meinung oder die Regierungspolitik hatte.
Obama kam, umarmte Netanjahu und überschüttete uns mit Liebe, so wie es Bill Clinton damals in den wilden Neunzigern machte. Er pries uns in den Himmel und erzählte uns, er stehe hinter uns. Und dann erzählte er uns, wir sollten unsere Führungspolitiker zwingen Jerusalem, Judäa und Samaria unseren eingeschworenen Feinden zu geben, obwohl sie ihre Kinder lehren danach zu streben unsere Kinder zu töten.
Und wir lächelten und wünschten ihm einen angenehmen Heimflug.

Obama hatte keine Vorstellung davon, in was er hinein geriet, als er herkam. Wie Kitzis und seine Kollegen auf Kanal 2 umgibt sich Obama mit Leuten, die wie er der Realität Fantasie vorziehen. In Obamas Welt geht es beim islamischen Jihad um den Westen, nicht um die Jihadisten. In Obamas Welt ist das dringendste Problem auf der internationalen Tagesordnung Wohnungen für Juden in Jerusalem und Efrat. Und in Obamas Welt ist das, was die Israelis mehr als alles andere auf der Welt brauchen, dass die linken Europäer uns lieben.
Da reden wir von retro.

Doch seit den 1990-er Jahren hat sich viel geändert. Zwanzig Jahre, nachdem Jitzhak Rabin Yassir Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hand schüttelte und so offiziell Israels Zeitalter des Terrors einläutete, kümmert es die meisten Israelis nicht wirklich, was die Europäer und Araber von uns halten.
Die Europäer plappern weiter von israelischem Rassismus und drohen damit den gelben Stern oder andere fiese Markierungen auf israelische Waren zu kleben. Sie verbieten israelische Bücher in den Bibliotheken Schottlands. Sie boykottieren israelische Universitäten, Professoren und Studenten in England. In Italien demonstrieren sie in ihrem nationalen Senat für den verurteilten Massenmörder Marwan Barghouti. Und in Frankreich schlachten sie jüdische Kinder ab.
Und dann erwarten Typen wie Catherine Asthon von uns, dass wir uns sorgen, was sie von uns denken.
Nun, tun wir nicht.

Die Amerikaner ihrerseits jammern wegen des Rücktritts des nicht gewählten palästinensischen Premierministers Salam Fajjad und bestehend darauf, er sei für Israel ein wahrer Partner gewesen, der nur wegen Kräften außerhalb seiner Kontrolle keinen Erfolg schaffen konnte. Während die meisten erkenne, dass Fajjads Abang nichts mit Israel zu tun hatte, haben einige US-Brückenbauer Israel für Fajjads Versagen verantwortlich gemacht. Elliott Abrams z.B. schrieb: „Israelische Regierungen gaben ihm weniger Kooperation als er verdiente.“ Dem antworten wir: Fajjad war nichts weiter als eine weitere westliche Einbildung, so wie der arabische Frieden mit Israel.
Fajjad hatte keine Chance die Palästinenser zu führen, weil er nie persönlich einen Juden umbrachte. Und die Palästinenser akzeptieren nur Mörder als ihre Führer. Doch die Tatsache, dass er nie persönlich einen Juden umbrachte, machte Fajjad für Israel noch nicht zu einem Partner.

Fajjad nutzte pflichtbewusst Spendengelder, um damit jeden Monat Gehälter an Terroristen in Judäa, Samaria und dem Gazastreifen zu zahlen. Er führte den palästinensischen Zweig des Boykott-Deinvestitions-und-Sanktions-Krieges gegen Israel. Er machte aus der Arbeit für Israelis und den Kauf israelischer Waren zu Straftaten. Fajjad führte persönlich Razzien in Privathäusern, um die Kühlschränke der Menschen daraufhin zu inspizieren, ob sie israelische Hüttenkäse in ihren Regalen hatten. Er organisierte Freudenfeuer, mit denen israelische Waren verbrannt wurden und nahm daran teil.
Um es ohne Umschweife zu sagen: Das ist nicht die Art von Verhalten, von der man erwarten würde, dass ein Friedenspartner es betreibt.
Die Amerikaner, die darauf bestehen Fajjads Abgang zu betrauern, weigern sich die offensichtliche Tatsache zu akzeptieren, dass palästinensisches Streben nach Eigenstaatlichkeit ein billiges, schäbiges und nur für den Export bestimmtes arabisches Produkt ist. Die Palästinenser wollen keinen Staat. Sie wollen Israel vernichten. Die Amerikaner erfinden in ihrer Unfähigkeit diese Grundtatsache zu akzeptieren Lügen wie die des Friedenspartners Fajjad und versuchen diese den Israelis reinzuwürgen. Na dann: Auf Nimmerwiedersehen, Salam Fajjad.
Offensichtlich ist Fajjad nicht das letzte Wort der westlichen Selbsttäuschung. Sie werden sich eine neue perfekte Lösung ausdenken, um ihn binnen kurzer Frist zu ersetzen.

Doch in ihrer endlosen Suche nach der nächsten Silberkugel verpassen die Europäer und die Amerikaner und ihre israelischen Gefolgsleute die Tatsache, dass der einfachste Weg eine sichere und friedliche Welt aufzubauen nicht funktioniert, indem man Terroristen den Hof macht. Der beste Weg diese Ziele zu erreichen, führt darüber die Welt zu akzeptieren, wie sie ist. Das hat das israelische Volk gemacht. Es stimmt, uns mussten unsere Fantasien mit Selbstmord-Bombenanschlägen weggeblasen werden, damit wir uns mit dieser einfachen Wahrheit abfanden. Doch das Leben ist besser, glücklicher und sicherer geworden, seit wir das machten.
Die Unfähigkeit der „internationalen Gemeinschaft“ zu akzeptieren, dass nüchterne Zufriedenheit besser ist als Luftschloss-Fantasien, die linke Autoren in Israel, Europa und den USA ohne Unterschied zu Verwunderung wegen einer jüngsten Umfrage der OECD zum Ausdruck zu bringen, die Israel bei den glücklichsten Menschen der Welt einstuft. Das Ranking machte für die Kommentatoren keinen Sinn.

Israelis arbeiten härter als andere Mitglieder der OECD. Sie beschweren sich mehr als andere Mitglieder der OECD. Wir haben keinen „Frieden“. Und doch gehören wir zu den glücklichsten Menschen in der OECD.
Was ist los? In den Jahrzehnten, bevor wir uns auf die Reise des unaufrichtigen Friedensprozesses begaben, war Israel ein sozialistischer Modellstaat. Wir hatten lähmende Steuersätze und versagende Regierungsindustrien, die privates Unternehmertum auf dem Markt bedrängten. Monopole betrieben jeden Sektor und lieferten schäbige Waren und furchtbaren Service zu astronomischen Preisen. Der Gewerkschaft Histadrut gehörte zusammen mit der Regierung der größte Teil der Wirtschaft und Histadrut-Kommissare stellten sicher, dass jeder mit einer Unze Initiative endlosen Schmähungen ausgesetzt wurde.

Nirwana.

Just um die Zeit, als wir anfingen uns aus unserer sozialistischen Zwangsjacke zu befreien, erkannten wir auch, dass es mit dem Friedensdings auch nicht so weit her ist. Und an diesem Punkt begannen wir zu begreifen, dass es bei Glück und Erfolg nicht um das geht, was andere dir Geben – Geld, Verträge, eine Telefonleitung nach fünf Jahren Wartezeit. Bei Glück und Erfolg geht es um das, was du leistest.
Am diesem Punkt, irgendwann zwischen 1996 und 2000, begannen die Israelis große Familien zu gründen und den freien Markt anzunehmen.
Heute sind die Israelis mit durchschnittlich drei Kindern pro Familie die fruchtbaren Ausreißer der industrialisierten Welt. David Goldman demonstrierte auf PJ Media, dass es eine direkte Korrelation zwischen Kindern und menschlichem Glück gibt. Das ist der Grund dafür, dass fruchtbare Israelis die geringste Selbstmordrate der industrialisierten Welt haben. Wenn du Kinder hast, dann hast du eine Zukunft.

Und wenn du eine Zukunft hast, dann arbeitest du hart daran, sie zu sichern und eine allgemein optimistische Einstellung zu haben.
Was könnte schon schlimm sein, wenn dein Kind gerade seinen ersten Zahn verlor? Die Israelis sind glücklich, weil wir sehen, dass wir die Zukunft bauen können, die wir für unsere Familien und unser Land haben wollen, selbst ohne alle sechs Monate eine weitere glamouröse Unterschriften-Zeremonie im Weißen Haus. Unser Land wird jeden Tag stärker und lebensfähiger. Und wir wissen das.
Diejenigen auf der internationalen Bühne, die unsere Sicht teilen, dass es im Leben um mehr geht als um mit arabischen Antisemiten unterschriebene Papierblätter, erkennen, was geschieht. Für sie ist Israel nicht „das besch… kleine Land“. Es ist „der kleine Motor, der kann.“

Nehmen wir die Chinesen. Letzten Juli unterschrieb China einen Deal mit Israel, um einen Binnenhafen in Eilat und eine 180km lange Güterbahn-Trasse zu bauen, die Eilat mit Israels Mittelmeerhäfen in Aschdod und Haifa zu verbinden. Der Sinn des Projekts besteht darin, in Israel eine Alternative zum Suezkanal zu bauen. Die Chinesen sehen sich die Region an und sehen, dass Ägypten ein Failed State ist, der sich nicht einmal seine Weizenimporte leisten kann. Die Zukunft der Schifffahrt durch den Suezkanal steht in Zweifel, da es regelmäßig Krawalle in Port Said und Suez gibt.
Andererseits ist Israel eine stabile, wohlhabende, erfolgreiche Demokratie, die einen Erfolg nach dem anderen erzielt. Wenn die Güterbahnstrecke fertig ist, wird Israel, was die globale Wirtschaft angeht, zum strategisch wichtigsten Importland der Region werden.

Dann ist da unser neu entdeckter Energiereichtum. Israel wurde am 30. März energietechnisch unabhängig, seit das Offshore-Gasfeld Tamar Erdgas nach zu pumpen begann. In zwei bis drei Jahren, wenn das Gasfeld Leviathan angeschlossen wird, wird Israel einer der wichtigsten Erdgas-Produzenten der Welt werden. Darüber hinaus wird Israel 2017 wahrscheinlich beginnen kommerzielle Mengen Öl aus seinen massiven Schieferlagern im Shfela-Becken bei Beit Shemesh zu gewinnen.
Geologen schätzen, dass alleine dieses Feld rund 250 Milliarden Barrel Öl enthält, was Israel Öl-Gleichheit mit Saudi-Arabien gibt. Chinesische, russische und australische Firmen stehen Schlage, um Verträge mit israelischen Energieunternehmen abzuschließen. Internationale Analysten schätzen, dass Israels Aufkommen als Energiemacht einen stabilisierenden Einfluss auf die globale Wirtschaft und die internationale Sicherheit haben wird. Israel kann Asiens Öl- und Gashunger stillen. Es kann die europäische Abhängigkeit von Russland verringern. Es wird die Fähigkeit der OPEC beseitigen die Weltölpreise durch Manipulation des Nachschubs zu diktieren.
Dass Israel seinen Energiereichtum entdeckte, hätte zu keinem günstigeren Zeitpunkt kommen können. Hätte Israel sein Öl und Gas vor 65 oder sogar nur vor 20 Jahren entdeckt, hätten wir die wirtschaftliche Reife nicht gehabt, um unsere Ressourcen verantwortlich zu managen. Doch jetzt, mit unserem freien Markt, unserem Hi-Tech-Sektor und unserer Unternehmenskultur können wir unsere Ressourcen weise und erfolgreich managen.

Im Alter von 65 wird Israel zu einem erwachsen, verantwortlichen, wohlhabenden und mächtigen Spieler in der internationalen Arena. Das einzige, was wir sicherstellen müssen: sicherzustellen, dass wir uns der Früchte unserer Arbeit in Sicherheit erfreuen können. Und das einzige, das wir tun können, um alles zu verspielen, ist: unsere Hoffnungen auf „Frieden“ zu setzen.
Und deshalb werden wir das nicht tun, nie wieder.

30. April 2013 - von Caroline Glick

Orig. "Israel - The Happy Little Country"
 (Danke "heplev" für die Übersetzung)