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25.2.08

Palästinensische Christen in ständiger Angst

Wie bekannt, haben unbekannte Bewaffnete letzte Woche die YMCA Bücherei im Gazastreifen in die Luft gesprengt. Niemand wurde verletzt, aber zwei Wachleute waren vorübergehend entführt worden und die Büros wurden geplündert, ein Fahrzeug gestohlen und alle 8000 Bücher zerstört.

Niemand bekannte sich zu diesem Angriff, wenngleich die Fatah die Hamas der Tat beschuldigte. Die Hamas jedoch bestritt die Verantwortung dafür und verurteilte gleichzeitig die Attacke. In der Zwischenzeitlich haben vertrauliche Quellen in Gaza der Jerusalem Post aufgedeckt, dass der Angriff eine Reaktion auf die wiederaufgelegten Mohammed Karikaturen in dänischen Zeitungen war. Die vermutete Motivation hinter dem Angriff und die Tatsache, dass es nicht groß in den Zeitungen kam, zeigt deutlich, in welch trostloser Lage viele Christen sind, die in den palästinensischen Gebieten wohnen.

Lediglich etwa 3.500 Christen, hauptsächlich griechisch-orthodoxe, leben im Gazastreifen. In den letzten zwei Jahren haben vor allem Al-Kaida nahestehende Extremisten-gruppen sich zu Anschlägen gegen Christen, sowohl Personen wie auch Institutionen, bekannt, und zwar mit den erklärten Ziel, die Christen aus Gaza zu vertreiben. Sollte die Attacke auf das YMCA Gebäude letzte Woche tatsächlich nur durch die dänischen Gewaltwelle wegen der Karikaturen ausgelöst worden sein, dann wird einem klar, wie heikel die Situation für die Christen ist und dass sie nicht tun können, die Gewalt zu verhindern. Das YMCA ist auch für Moslems zugänglich und enthält eine Schule, eine Sport Club und einen Gemeinschaftsraum. Aber nicht was die Christen tun, sondern ihre bloße Anwesenheit ist den gewalttätigen Jihad Islamisten ein Dorn im Auge. Wen wundert es, dass Christen in solch einer Situation ans Auswandern denken? Wer könnte sie dafür verurteilen, wenn sie alle wegziehen würden?

Und wenn Christen im Gazastreifen bleiben, wer wird über ihr Schicksal berichten, wenn es doch keine freie Presse in diesem von Hamas regierten Landstrich gibt? Ausländische Reporter, die etwas berichten wollen, kennen nicht die Umgebung, nicht die Sprache und die entscheidenden Personen und werden durch „Überwacher“ daran gehindert frei zu recherchieren. Aber selbst dann bekommen sie von den Christen vor Ort oftmals von sehr guten Verhältnissen zu hören und wie friedlich sie angeblich mit der moslemischen Nachbarschaft leben. Um keine Probleme mit den Jihad Extremisten zu provozieren, schweigen sie lieber. Und so geht es weiter: Nachrichten über Übergriffe auf Christen tröpfeln nur ins Netz, gehen aber schnell vorüber, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden. Und die Christen in Gaza und der West Bank versuchen einfach nur ruhig und unauffällig zu leben und wissen nie, wann die Gewalt wieder vor ihrer Türe landet. Es ist ein schreckliches Leben, umso mehr, dass es so wenige interessiert und kümmert.

aus: Father Raymond J. De Souza, National Post (Dienstag, 19.02.2008)

Bild 1: Jugendliche im YMCA vor der Zerstörung

Bild 2: Bethlehem

16.2.08

Und du, Bethlehem Efrata

Erst kürzlich berichteten mehrere israelische Tageszeitungen von christlichen Familien in Bethlehem, die ihr Schweigen brechen und offen aussprechen, wie sehr sie unter der moslemischen Verfolgung in ihrer einst christlichen Stadt leiden. In den letzten Monaten häufen sich Übergriffe moslemischer Palästinenser auf christliche Palästinenser.

Die christlichen Familien haben bereits Hilfegesuche an den Vatikan, an Kirchenoberhäupter, an den Vorsitzenden der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, und sogar an europäische Regierungen gerichtet, stoßen aber stets nur auf taube Ohren. Bislang haben die Christen aus Angst vor Vergeltung nicht die Öffentlichkeit gesucht, denn wen Moslems als „israelfreundlichen Kollaborateur“ ausmachen, lebt gefährlich.

- Das schmerzt mich sehr. Ich habe längere Zeit in Bethlehem gelebt, der christlichsten Stadt überhaupt und die Gott namentlich in seinem Wort hervorhebt, weil sie auserkoren ist, die Geburtsstadt unseres Herrn Jesus Christus zu sein.
Und seit Generationen haben die Christen dort gelebt (in der Mehrheit!) und haben die heiligen Stätten gepflegt und die Traditionen gewahrt - nicht dass ich darauf so großen Wert legen würde, aber schließlich ist doch Verpflichtung mit dem Namen verbunden und Besucher, Pilger und Interessierte kommen aus aller Welt in diesen kleinen Ort. Mittlerweile ist er nicht mehr so klein, leider gibt es keine zuverlässigen Angaben über die Bevölkerungszahl und die Anzahl der Christen. Aber die Christen sind in der absoluten Minderheit. Sukzessive übernehmen die Moslems das Land, die Wirtschaft und die Gesellschaft in den ganzen Ortschaften Bethlehem, Beit
Jala, Beit Sahour und vertreiben die Christen in der oben beschriebenen gewaltsamen Weise.

Ich werde für die Christen im ganzen Westjordanland und im Gazastreifen beten, damit die die noch da sind, den Mut haben zu bleiben. Denn die Christen haben die friedenbringende Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben. Das ist die Botschaft für alle Menschen in der ganzen Welt: Vergebung, Erlösung und Frieden.

Und du, Bethlehem Efrata, das du klein unter den Tausendschaften von Juda bist, aus dir wird mir der hervorgehen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ursprünge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her.

Micha 5

30.1.08

Religiöser Zwang im Gazastreifen

Die UN-Sonderberichterstatterin für Religions- und Glaubensfreiheit, Asma Jahangier, hat sich besorgt über die gegenwärtige Lage im Gaza-Streifen geäußert. In ihrem Bericht hebt sie hervor, dass seit der Machtergreifung der Hamas der Druck auf Frauen zunimmt, einen Schleier zu tragen. Desgleichen steige die Anzahl von Übergriffen gegen palästinensische Christen in Gaza.

„Frauen scheinen in einer besonders verwundbaren Situation zu sein und tragen die Hauptlast des religiösen Eifers. Ich wurde über Fälle von Ehrenmorden informiert, die im Namen der Religion ungestraft ausgeführt werden“, so Jahangier in ihrem Bericht. „Uns vorliegenden Berichten zufolge fühlen Frauen im Gaza-Streifen in letzter Zeit, dass sie einem Zwang zur Verschleierung unterliegen.“

Die Studentin Sahar aus Beit Hanoun berichtet, wie Studenten der Universität Al-Azhar in Gaza-Stadt, mehr und mehr bodenlange Gewänder tragen und manche ihr Gesicht verschleiern. Von einem weltoffenen Studium kann keine Rede mehr sein, seit die Hamas regiert.

Im Zusammenhang mit ihrer Reise durch Israel äußerte die UN-Gesandte auch Kritik an der jüdischen Orthodoxie in Israel, erkannte aber an: „Während meiner Gespräche mit Angehörigen religiöser Minderheiten in Israel haben meine Gesprächspartner im Großen und Ganzen bestätigt, dass es keinerlei religiöse Verfolgung von Seiten des Staates gibt. Innerhalb der israelischen Demokratie möchte ich die wichtige Rolle hervorheben, die der Oberste Gerichtshof in der Vergangenheit gespielt hat und für die Sicherung von Religions- oder Glaubensfreiheit spielen kann.“

Haaretz

8.10.07

Der erste christliche Märtyrer in Hamastan

Rami Khader Ajjad leitete den einzigen christlichen Buchladen in Gaza-Stadt. Am Abend des 6. Oktober 2007 rief er seine Familie und Kollegen von der Palästinensischen Bibelgesellschaft (PBS) an. Eine Gruppe von Männern habe ihn mitgenommen und er werde erst spät nach Hause kommen, ließ er seine schwangere Frau wissen. „Doch seine Stimme klang nervös und es war klar, dass er nicht frei sprechen konnte“, erzählt Baptistenpastor Hanna Massad, der Gemeindeleiter von Rami Ajjad. Seine Mutter Anisa sagte: „Er sagte am Telefon, er werde mit den ‚Leuten’ noch zwei Stunden verbringen. Wenn er dann nicht zurück sei, werde er für lange Zeit nicht zurückkehren.“

Der Direktor der PBS, Labib Madanat, rief umgehend die Polizei an. In einer „streng vertraulichen“ E-Mail informierte der für Informationen und PR verantwortliche Mitarbeiter Simon Azazian sofort einen engeren Freundes- und Beterkreis. Azazian bat dringend, die Information von der Entführung Ramis nicht weiterzuleiten, weil das Leben von Rami in höchster Gefahr sei.

Doch um 3 Uhr in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag entdeckte die palästinensische Polizei den Leichnam von Rami Ajjad im Viertel Seitun im Osten von Gaza-Stadt und benachrichtigte die Leitung der PBS. Sein Körper wies Messereinstiche auf, stellte ein Vertreter des Schifa-Krankenhauses fest. Ermordet wurde er durch Schüsse in Kopf und Brust aus nächster Nähe.


„Rami war das sanftmütigste Mitglied unseres Teams“, schrieben die Mitarbeiter der Bibelgesellschaft in einem Nachruf. „Er hatte immer ein Lachen auf dem Gesicht. Er war das Gesicht unseres Bibelladens und hat die Besucher empfangen und ihnen gedient, so wie Jesus es getan hätte.“

Vollkommen unerwartet war dieser Mord nicht. Telefonisch hatten die Mitarbeiter der PBS schon mehrfach Morddrohungen erhalten. Deshalb baten die Mitarbeiter des PBS-Teams auch darum, ihre Namen nicht zu veröffentlichen. Die Telefonanrufer beschuldigten die PBS der Missionsarbeit. Rami hatte seinen Kollegen in den Tagen vor seiner Ermordung erzählt, dass er beobachtet hatte, wie ihm ein Auto ohne Nummernschilder folgte. Bärtige Männer hätten ihn eigenartig angeschaut. Sechs Monate vor dem Mord an Rami Ajjad war der PBS-Bibelladen am Palästina-Platz im Zentrum von Gaza-Stadt, der 1999 eingeweiht worden war, von einer Bombe vollständig zerstört worden.

In einer Presseerklärung betont die PBS, dass sie innerhalb der palästinensischen Gesellschaft ein großes Wohlwollen genießt, nicht zuletzt wegen der weit reichenden humanitären Aktivitäten, die sich auf den gesamten Gazastreifen erstreckt.


Rami Ajjad hatte der katholischen Kirche angehört, bevor er Baptist wurde. „Er war nie Moslem“, erklärte Hanna Massad. Deshalb ist eine „Todesstrafe“ für eine Konversion zum Christentum, wie sie im Islam üblich ist, als Mordmotiv auszuschließen.


„Wir wissen nicht, wer Rami ermordet hat“, schrieb der Leiter der PBS, Labib Madanat, „aber wir wissen, dass er um seines Glaubens an Christus willen zum Märtyrer wurde.“ Ramis Mutter Anisa ist überzeugt: „Er hat durch seinen Tod für Christus gezahlt.“ Suhad Massad, die Frau von Pastor Hanna Massad, die die Arbeit der PBS im Gazastreifen leitet, meint: „Wir wissen nicht, wer ihn ermordet hat und warum. War Geld der Grund, oder weil Bibeln verkauft wurden?“ Sie betont: „Wir bemühen uns, allen Menschen die Liebe Jesu zu zeigen, aber ohne zu evangelisieren.“

Radschi Surani, Direktor des Palästinensischen Zentrums für Menschenrechte, erklärte: „Diese verabscheuenswürdige Tat findet bei keiner religiösen Gruppe hier Unterstützung.“ Das von der Hamas geleitete Innenministerium versicherte auf Anfrage, man verurteile diesen Mord und werde ermitteln: „Dieses schwere Verbrechen wird nicht ohne Strafe bleiben.

Der 50-jährige Christ Nikolas Issa sagte: „Heute ist ein schwarzer Tag für Gaza. Wir hoffen, dass er nicht umgebracht wurde, weil er Christ war.“ Und ein anderer Christ, der 42-jährige Jan Saad, fügt hinzu: „So etwas ist noch nie in Gaza geschehen. Wenn irgendjemand denkt, wir Christen würden wegen eines solchen Mordes weggehen, liegt er falsch. Das hier ist unsere Heimat. Wir sind so patriotisch wie jeder andere auch.“

Trotzdem bekennen Christen seit Monaten unter der Hand: „Wer gehen kann, geht.“ Und PBS-Direktor Labib Madanat ist überzeugt: „Die Stunde, in der wir den höchsten Preis für die Nachfolge Christi bezahlen müssen, ist gekommen.“

Im von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Gazastreifen leben schätzungsweise 3.200 arabische Christen, von denen die meisten der griechisch-orthodoxen Kirche angehören, unter 1,4 Millionen Muslimen. Die Baptistengemeinde zählt ungefähr 100 Mitglieder.


In der Regel werden die Christen von korangläubigen Muslimen als „Schutzbefohlene“ betrachtet und laut Einwohnern von Gaza sind gewalttätige Übergriffe selten. Allerdings wurden in den vergangenen Monaten mehr als 40 Einrichtungen, die mit „westlichen Werten“ in Verbindung gebracht werden –- Videoläden, Internetcafes, eine amerikanische Schule und eben auch der Bibelladen der PBS -– durch Bombenanschläge zerstört. Eine radikale Gruppe, die sich „Rechtschaffenes Schwert des Islam“ nennt, erklärte sich verantwortlich für diese Angriffe. Die Hamas weist jede Verantwortung für die Christenverfolgung vehement von sich.

Ungefähr 300 Christen und Muslime wohnten der Beisetzung Rami Ajjads am Nachmittag seines Todestages bei. Eine große Delegation der Hamas besuchte im Auftrag von Ministerpräsident Ismail Hanije die Familie Ajjad und sprach ihr das Beileid aus. Hanije verurteilte den Mord und versicherte, man werde „nicht zulassen, dass irgendjemand die muslimisch-christlichen Beziehungen sabotiere.“ Der 26-jährige Rami hinterlässt seine schwangere Frau Pauline und zwei kleine Kinder.


© Johannes Gerloff, Christlicher Medienverbund KEP


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