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13.11.08

Peres' Rede vor der UNO

„In unserer Region tragen Kinder die Namen von Propheten, die uns allen heilig sind. Warum sollten Moses, Moshe und Musa, Abraham, Avraham and Ibrahim als Gegner aufwachsen, in Feindschaft? Wie unsere Propheten fragten: ‚Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns erschaffen? Warum handeln wir, jeder Mensch gegen seinen Bruder, trügerisch, indem wir den Bund unserer Väter entweihen?’ Und Abraham vermittelte seinem Neffen Lot: ‚Bitte lass keine Zwietracht zwischen mir und dir sein und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten, da wir doch Verwandte sind.’

Das war der erste Aufruf zum Frieden unter Brüdern in der Geschichte. Brüderliche Beziehungen sollten nicht Gewalt und Vorherrschaft beinhalten. Wir beten alle denselben Gott im Himmel an.“

„Religiöser Glauben erfordert, dass wir die ewige Botschaft anerkennen, dass alle Menschen nach Gottes Bild geschaffen wurden. Einem Menschen Leid zuzufügen bedeutet, Gott Leid zuzufügen. Wenn Atomwaffen, Langstrecken-Raketen, wahlloser Terror und fanatische Hetze die Agenda bestimmen, müssen wir diese Agenda ändern.“

„Das nationale Wiedererwachen von Juden und Arabern vollzog sich beinahe zur gleichen Zeit und beinahe am gleichen Ort. Es geschah sehr schnell und in einem Land, das klein war. Dennoch wurde nach dem Ersten Weltkrieg ein Fenster der Gelegenheit geöffnet, als Emir Feisal und Präsident Weizmann nach der Schaffung einer neuen Umwelt strebten. Sie trafen sich vor 89 Jahren, im November 1919, um eine Verständigung zwischen den beiden Völkern aus derselben Krippe zu verkünden, die unter dem Schatten derselben Bäume hätten leben können – den alten Ölbäumen und den großen Dattelpalmen.

In der Erklärung heißt es: ‚Eingedenk der rassischen Verwandtschaft und alten Bindungen zwischen den Arabern und dem jüdischen Volk und in der Einsicht, dass die Vollendung ihrer nationalen Aspirationen am ehesten durch die engstmögliche Zusammenarbeit verwirklicht werden kann.’

Dies war hohe Staatskunst und zeitgemäße Weisheit.

Leider Gottes haben wir ihren Rat nicht befolgt. Stattdessen haben wir uns bekämpft und den Glauben für Gier eingetauscht und das Schmieden von Schwertern anstelle von Frieden betrieben. Sie haben unser Land zerrissen und die Feindschaft mit dem Ergebnis einer Region der Schranken und Mauern, die höher wuchsen; die Brücken, die hätten gebaut werden können, wurden zerstört. Tausende Männer und Frauen auf beiden Seiten haben ihr Leben verloren. Viele wurden unheilbar verletzt; andere verloren ihr Heim und wurden zu Flüchtlingen. Vermögen wurden verschwendet für den Kauf, die Instandhaltung und Ersetzung neuer Waffen, die unvermeidlich obsolet wurden – Ressourcen wurden verschwendet für den Erhalt der Feindschaft statt für die Verbesserung des Lebens."

....so der israelische Staatspräsident Shimon Peres am Mittwoch, als Friedensaufruf zwischen Israel und den Palästinensern, auf der interreligiösen UN-Konferenz, die von den Saudis initiiert worden war. Zuvor hatte er den Saudis für die Präsentation ihrer Friedensinitiative gedankt.

Ich kann es nicht verstehen, und bin, gelinde gesagt, entsetzt, dass Peres im Angesicht der wahhabitischen Öl-Scheichs das Wort Gottes für sein Anbiedern um Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen, missbraucht. Die Juden und die Moslems beten nicht denselben Gott an, und auch wenn die Juden, wie die Araber von Abraham abstammen, so ist doch die Entzweiung der Völker in der Geschichte um Jakob und Esau begründet, wobei doch Gott, (der Ewige) schon klar zwischen den Brüdern Isaak und Ismail unterscheidet. Der Kern der sechzig Jahre währenden erbitterten Feindschaft der moslemischen Araber und der Israelis liegt ja gerade in den Religionen verborgen, oder genauer gesagt, im geistlichen Bereich.

Bei so einem Versuch den feindlichen Nachbarn die Hand zu reichen, mit der Schrift in der Hand, werden die moslemischen Zuhörer sich bestenfalls mockieren, wenn sie nicht Peres seine aufgerollte Thorarolle um die Ohren hauen werden. Die Israelis alle sollten lieber darin lesen, damit ihnen wieder klar wird, wer wirklich auf ihrer Seite steht und ihnen Frieden bringt.

"Und Gott sprach: Nein, sondern Sara, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären. Und du sollst ihm den Namen Isaak geben! Und ich werde meinen Bund mit ihm aufrichten zu einem ewigen Bund für seine Nachkommen nach ihm. Aber auch für Ismael habe ich dich erhört: Siehe, ich werde ihn segnen und werde ihn fruchtbar machen und ihn sehr, sehr mehren." (Genesis 17, 19)

Und Esau war dem Jakob feind wegen des Segens, mit dem sein Vater ihn gesegnet hatte. (Genesis 27)

"Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Habe keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ja, ich halte dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit." (Jesaja 41)

19.2.08

A.B. Yehoshua zum Konflikt

Der israelische Schriftsteller A.B. Yehoshua hat sich in einem Interview mit der Haaretz zum israelisch-arabischen Konflikt und dem zweiten Libanonkrieg geäußert. Angesichts der aktuellen Situation im Gaza-Streifen zweifelt der 71jährige zunehmend am Willen der Palästinenser, eine Zwei-Staaten-Lösung herbeizuführen.

Dabei verweist er vor allem anderen auf das Verhalten der Hamas, die nach der Abkoppelung vom Gaza-Streifen ihren andauernden Beschuss auf Israel fortsetze, anstatt zu sagen: „Seht, sie haben sich sogar ohne ein Abkommen zurückgezogen, sind geflüchtet. Jetzt nehmen wir Gaza und bauen es auf und investieren hier Gelder.“ Dies hätte Israel einen Anreiz gegeben, auch Judäa und Samaria zu verlassen.

Yehoshua beharrt trotz allem auf der Zwei-Staaten-Lösung, da es sich hier um „zwei völlig verschiedene Völker“ handele, in Bezug auf „Religion, Kultur und Sprache“. „Es sind zwei Existenzen, zwischen denen in wirtschaftlicher Hinsicht ein Abgrund besteht.“

In Anbetracht der palästinensischen Praxis von Selbstmordanschlägen meint der Schriftsteller dabei, dass Juden und Araber verschiedenen moralischen Codes folgen würden: „Ich glaube nicht, dass es während des Holocaust jemanden gegeben hat, der seinem Sohn gesagt hätte, sich in die Luft zu sprengen. Und ich rede hier noch nicht einmal von der Ermordung deutscher Kinder, sondern lediglich davon, sich innerhalb der deutschen Armee in die Luft zu sprengen, die einen ermorden wollte. Wir wollen sie nicht vernichten, und sie verteilen Süßigkeiten in Gaza. Nachdem sie gesehen haben, dass sie Kinder und Alte getötet haben, verteilen sie Süßigkeiten?! Ihr Selbstmord rührt nicht etwa nur von hier her. Man sieht ihn im Irak, man sieht in an allen möglichen Orten. Sie ermorden ihre Brüder, ihre eigenen Leute ermorden sie.“

Ungeachtet der Tatsache, dass Yehoshua am Ende des zweiten Libanonkriegs gemeinsam mit den Schriftstellern Amos Oz und David Grossman zu einem Waffenstillstand aufgerufen hatte, lässt er nach wie vor keinen Zweifel daran, dass er die israelische Offensive grundsätzlich und von Anfang an unterstützt hat: „Auf jeden Fall habe ich zugestimmt. Eine militärische Organisation, die keinen Staat kontrolliert, die Tausende Raketen abgefeuert und verkündet hat, den Staat Israel zu vernichten, entführt zwei Soldaten, tötet acht, lässt Katyushas regnen. Was soll ich da tun?“

Auch das Ergebnis des Krieges bewertet er positiv: „Es kamen alles in allem gute Dinge dabei heraus. Eine internationale Truppe ist an der Grenze stationiert. Dass plötzlich große Probleme in der Armee offensichtlich werden? Es lässt sich sagen: Gut, dass dies in diesem begrenzten Krieg entdeckt wurde. Aber grundsätzlich wurde der libanesischen Regierung übermittelt: Meine Herren, es kann nicht angehen, dass ihr eine Organisation habt, die ihr nicht kontrolliert. D.h. ihr sitzt in Beirut und spielt dort im Kasino, und es gibt hier irgend so eine wahnsinnige Organisation. Man stelle sich vor, wir würden den Arabern sagen: Seht, wir sind ein friedliebendes Land, aber wir haben eine Luftwaffe, die verrückt ist, und hin und wider holt sie ihre Flugzeuge raus und bombardiert euch.“ (gekürzt)

Nachzulesen in Hagalil.com

A.B. Yehoshua ist einer der meistgelesenen Autoren Israels. Er wurde 1936 in Jerusalem geboren und lebt in Haifa, wo er an der Universität lehrte. Die Familie seines Vaters lebte seit fuenf Generationen in Jerusalem, seine Mutter stammt aus Nordafrika.

26.7.07

Interview mit Tony Judt

Der Historiker Tony Judt * gab einer Reporterin der TAZ ein Interview über den Begriff der Diaspora im Zusammenhang mit der Identifikation der Juden in den USA und Europa mit ihr und Israel.

Hier die wesentlichen Auszüge aus dem Interview:

TAZ: Spaltet sich die jüdische Diaspora?

In gewisser Weise ja. Die Israel-Lobby ist nicht rein jüdisch, sie umfasst auch christliche Gruppen, ist aber eine politische Institution, die nahezu ausschließlich in Washington existiert. In politischen Fragen ist die Mehrheit der amerikanischen Juden eher liberal als konservativ. Nur in Bezug auf Israel kommt es zu solch einer Spaltung, aber nicht nur als Spaltung innerhalb der Gemeinde, sondern als eine Spaltung des öffentlichen Diskurses.

TAZ: Muss sich die Diaspora durch das Verhältnis zu einem Territorium, in diesem Fall, Israel definieren?

Ja, das ist ein interessantes Paradoxon. Amerikanische Juden sprechen nicht Jiddisch, auch nicht Hebräisch, sie gehen nicht in die Synagoge, sie sind völlig amerikanisch. Ihr Judentum bestimmt sich durch zwei Momente: durch eine Identität im Raum, das ist die Identifikation mit Israel, Und durch eine Identität in der Zeit, eine Identifikation mit Auschwitz. Jude sein in Amerika bedeutet, Auschwitz erinnern und Israel unterstützen, weil Israel der beste Schutz vor einem neuen Holocaust ist. Und das ist sehr spezifisch amerikanisch, auch wenn ein paar französische Intellektuelle versuchen, das zu reproduzieren oder zu importieren.

TAZ: Wie sollte sich die Diaspora dann definieren? Etwa antizionistisch?

Nein, ich denke nicht, dass sie antizionistisch sein sollte, aber wir können nicht so weitermachen, Juden, wenn sie in anderen Ländern Staatsbürger sind, identifizieren sich auch mit Israel, wenn Israel Dinge tut, die antiisraelische, antijüdische Gefühle hervorruft. Auf gewisse Weise produziert die Diaspora den Antisemitismus - durch ihre Weigerung, eine Differenz zwischen sich und dem unabhängigen Staat Israel zu machen. Wir müssen eine Wahl gegen solch eine negative Diaspora treffen. Das bedeutet, dass Juden in Amerika, in England oder in Österreich einen Weg finden müssen, Jude zu sein und Österreicher. Die liberale Geschichte der Diaspora muss eine der Integration sein. Es gibt keinen dritten Weg.

TAZ: In Ihrem Buch "Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart" schreiben Sie, dass die Erinnerung an die Schoah die Humanität des heutigen Europas garantiert. An Israel kritisieren Sie aber genau dieses Erinnern.

In Frankreich, Österreich oder Polen ist das Erinnern an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs absolut zentral für die Identität Europas. Und wenn sie nicht mehr erinnert werden können, müssen sie gelehrt werden. Sie sind das Kernstück unserer kollektiven Identität. Aber in Israel ist dieses Erinnern pervertiert. Dort ist es das wesentliche pädagogische Werkzeug, das Israelis lehrt, sie seien immer Opfer, das Loyalität mit Israel erzeugt - kurz, es ist das, was Israel daran hindert, ein normaler Staat zu werden.


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*) Der britische Historiker, Author und Professor Tony Judt leitet das Remarque Institut in New York. Er ist ein Experte bezüglich der Geschichte Europas und hat aufschlussreiche kritische Analysen und Essays über die Politik Israels sowie umfangreiche Werke, wie : „Geschichte Europas 1945 bis zur Gegenwart“ geschrieben.

taz.de

Israel, die Alternative (von Tony Judt)

11.7.07

Interview mit Shimon Stein

Lest ein Interview mit dem deutschen Botschafter Israels in Deutschland, Shimon Stein, das er am 5. Juli dem Info-Radio des rbb anlässlich seines demnächst anstehenden Ausscheidens aus diesem Amt gegeben hat. In diesem Gespräch macht Stein sehr interessante Aussagen, hier schon mal einige Auszüge:

Frustrierend war eigentlich die Tatsache, dass es uns nicht gelungen ist, vielleicht habe ich mich nicht genug angestrengt, der deutschen Öffentlichkeit klar zu machen, worum es bei uns in den letzten Jahren gegangen ist, bei dem Konflikt mit den Palästinensern. ....Israelis oder Juden besitzen ja nicht mehr die Opfernische. Die Opfernische ist an die Palästinenser abgegeben worden und so ist man nicht mehr offen für unsere Argumente mit Hinblick auf: Was bedeutet es eigentlich für eine demokratische Gesellschaft mit dem Terror umzugehen?

...ich bitte ja immer meine deutschen Partner sich in die Lage der Israelis hineinzuversetzen bevor sie so rasch, wie sie es gerne tun, Ratschläge verteilen und uns kritisieren.“

Auf die Frage der Interviewerin: „Wenn wir über den Nahen Osten, über Israel etwas erfahren, ist es hauptsächlich im Zusammenhang mit politischen Ereignissen. Wir erfahren relativ wenig über das Leben im Land. Ist das zum Beispiel etwas, was Sie anmahnen?
Hätten die Medien dort eine Aufgabe? Sie haben mal gesagt, Sie sind traurig über die Wahrnehmung Israels in den deutschen Medien."

Ich bin in der Tat traurig. Ich bin noch immer der Auffassung, dass das Bild ein verzerrtes Bild ist. Aber immerhin glaube ich, dass es eine Gesellschaft, unter schwierigen Umständen glaube ich, großartige Gesellschaft ist, eine demokratische Gesellschaft, eine Streitkultur. ....Ich tue "den Deutschen" unrecht, indem ich über die Deutschen spreche. Ja, die Shoa, die ja ein zivilisatorischer Bruch für sie war und ein traumatisches Erlebnis bis heute für uns ja eben ist, hat uns dazu gebracht. Es ist eine gewisse Befangenheit, die auch im Zusammenhang mit der Frage Normalität zu tun hat.

.....das ist ein Schatten, der im Raum ist, der uns begleitet. Diese Befangenheit ist im Raum, die muss man zur Kenntnis nehmen, damit muss man offen miteinander umgehen."

Das ganze Interview auf inforadio rbb

26.6.07

Chaim Herzogs Rede 1975


Ein rhetorischer Meilenstein - Chaim Herzogs Rede über den Zionismus:
Am 10.
November 1975 hielt der damalige UN-Botschafter und spätere Präsident des Staates Israel Chaim Herzog vor der UN-Vollversammlung seine berühmte Rede über den Zionismus. Zuvor war die berüchtigte Resolution 3379 erlassen worden, die den Zionismus als „eine Form von Rassismus und rassischer Diskriminierung“ bezeichnete.

Herzog verurteilte die Resolution damals als „eine weitere Manifestation des bitteren Antisemitismus und antijüdischen Hasses“ in der arabischen Welt. „Für uns, das jüdische Volk, ist diese Resolution, die auf Hass, Lüge und Arroganz beruht, bar jeglichen moralischen und rechtlichen Wertes. Für uns, das jüdische Volk, ist sie nicht mehr als ein Stück Papier, und wir sollten sie als ein solches behandeln“, waren seine abschließenden Worte, auf die hin er das Dokument in zwei Teile riss.

Nun, 32 Jahre später, ist Herzogs Rede von einer Gruppe britischer Historiker für ein Buch ausgewählt worden, das die wichtigsten Reden in der Geschichte enthalten soll. Das Buch wird außerdem u.a. die berühmten Reden von Martin Luther King („Ich habe einen Traum“), Winston Churchill („Blut, Schweiß und Tränen“), Nelson Mandela („Endlich frei“) und John F. Kennedy („Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was du für dein Land tun kannst“) enthalten.

Yitzhak Herzog, Sohn des früheren Präsidenten und derzeitiger Sozialminister Israels, erkennt in der Entscheidung der britischen Historiker einen „Lichtstrahl des Respekts für Israel und eine wirkliche Wertschätzung eines seiner größten Wortführer“.

(Yedioth Ahronot, 26.06.07)

Videoaufzeichnung mit Ausschnitten aus der Rede Herzog

Chaim Herzog Webseite