Posts mit dem Label Palästinensische Christen in ständiger Angst (c) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Palästinensische Christen in ständiger Angst (c) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

19.9.08

Reise nach Israel - Teil 4

Teil IV - Heimatgefühle

Beit Jala weckt noch immer Heimatgefühle in mir, denn acht Jahre meines Lebens verbrachte ich dort und zwei meiner Kinder sind dort geboren worden.

So ist es naheliegend, dass ich mir das Haus, das Beit Al Liqa (Haus der Begegnung) von Johnny Shahwan und seiner deutschen Frau Marlene genauer anschauen muss, das ca. 200 m entfernt unterhalb unseres Wohnhauses von damals am Hang gebaut wurde. Die Oase inmitten einer trockenen Landschaft sticht mit seinem grünen Rasen mit Spielplatz ins Auge und es ist für die Kinder und Jugendlichen aus der Umgebung auch in geistlicher Hinsicht eine Oase. Eine Kindertagesstätte für Kleinkinder ist täglich geöffnet und für die christliche Bevölkerung in der ganzen Provinz will das Beit Al Liqa ein Ort für Freizeit, Erholung, soziales Lernen, Gemeinsamkeit, geistlicher Stärkung und biblischer Lehre für die Kinder und Jugendlichen bei Freizeiten, Lobpreisabenden, Kindertagen und für die Erwachsenen bei Schulungen und Seminaren sein. Die vielen Räume in dem großen vierstöckigen Haus mit Küche und Cafeteria, großem Garten, Spielplatz, Sportplatz, einer Kapelle, einem Kiosk, Bastelkeller sind für alle diese Aktivitäten bestens eingerichtet.

Beit AlLiqa

Johnny erzählt mir, das es für die Kleinen viel bedeutet hier zu sein, die zu Hause viel Streit und grobem Umgang ausgesetzt sind, und die Jugendlichen lernen, dass Liebe und Vergebung der Schlüssel zu einem Leben in Frieden in einer nicht sehr friedvollen Welt sind. Es kommen auch Kinder aus moslemischen Familien hierher und der Effekt, dass die Moslems von der Liebe Jesu berührt werden, bleibt natürlich nicht aus. Für Marlene ist Beit Jala ganz zu ihrem zu Hause geworden (was ich ganz und gar nachvollziehen kann!), sie spricht die Landessprache fließend und geht ihrer Aufgabe, das Zentrum an der Seite ihres Mannes zu leiten, mit Eifer und Leidenschaft nach.

Meine Verwandten finde ich so wie immer vor; in ihrer Welt hat sich nicht viel geändert, aber ich erfahre dennoch Neues. Meine jüngste Schwägerin hat ihr Diplom an der Bethlehem Universität gemacht und sucht jetzt nach einer Arbeitsstelle, was nicht ganz einfach ist, denn sie möchte nicht in einer von Moslems betriebenen Firma oder Institution arbeiten, wo sie, wie sie sagt, keine anständige Behandlung erwarten wird, aber sie will auch nicht einfach das Land verlassen, wie viele andere junge Christen, die ihre Zukunft hier nicht mehr sehen. Meine andere Schwägerin hat einen Moslem geheiratet und ist zum Islam übergetreten. Sie trägt den „Stoffkäfig“ aus Überzeugung und stört sich nicht daran, die zweite Frau zu sein. Leider hatte ich kaum Gelegenheit, sie zu ihren Beweggründen auszufragen, aber das Leben ist für sie so denkbar einfach, solange sie die Regeln dieser Gesellschaft einhält. Ihr Mann ist vermögend und einflussreich genug, so dass sie ausgesorgt hat.

Meine Schwiegermutter hat mich sehr überrascht und berührt. Sie erzählt mir, dass sie jeden Morgen ein christliches Progamm in Fernsehen anschaut, in dem Lobpreis, Bibellehre und Anleitung zum Gebet vermittelt werden, und zu meinem weiteren Erstaunen sehe ich Joyce Meyer auf dem Bildschirm arabisch synchronisiert predigen. Meine Schwiegermutter hört ihr aufmerksam zu und blättert dabei in einem Heftchen, das ihre wichtigen Gebete und Bibelverse enthält, während ihre Bibel aufgeschlagen auf dem Tisch liegt. Sie erzählt mir auch, dass sie sich Sorgen um ihre Kinder und Enkel macht und jeden Tag für sie betet und Gott dankt, dass er sie in dieser unruhigen Zeit bewahrt.

Mit Beschämung erkenne ich, dass ich ihr all die Jahre keinen wirklichen Glauben an Jesus zugestanden hatte, weil sie eben, wie alle, die fest verwurzelt im System der dort etablierten traditionellen Kirche sind, all das Beiwerk, wie Heiligen-Anbetung, Kerzen anzünden, Rosenkranz, Reliquienverehrung und viele seltsame kleine Hilfsmittel für wichtig erachtet und ich nicht verstehen konnte, was das alles mit einem echten Glauben an Jesus zu tun haben sollte. Ich sehe nun das Gott ein sehr viel weiteres Herz hat, als wir denken, und dass Er zu Menschen auf seine Weise spricht.

Von einer wundersamen Bewahrung der Familie vor 6 Jahren erzählt sie mir später, als nämlich vor sechs Jahren, als es auch in Beit Jala im nahegelegenen Aida Flüchtlingslager zu Gewaltausbrüchen zwischen Palästinenseren und israelischen Truppen kam, Gott ihr die Warnung schon vorher gab, bevor die Schüsse durch das Haus pfiffen. Diese hätten meinen Schwiegervater und meine Schwägerin sonst tödlich getroffen. Ich habe meine Schwiegermutter sehr lieb.
Beim Hinausfahren auf der Hebron-Road erwartet einen auf jeden Fall die Prozedur am Checkpoint, der jetzt wegen Rachels Grab, das genau auf der Verbindungsstraße Jerusalem-Bethlehem-Hebron liegt, verlegt wurde, und hier wirkt die 9 Meter hohe Mauer viel bedrohlicher. Die Prozedur ist für uns Ausländer und meine Verwandten aus Jerusalem einfach: Pass herzeigen, freundlich schauen, „thank you“ oder „shalom“ sagen, und nach vielleicht höchstens noch einem Blick in den Kofferraum - weiterfahren. Für alle anderen Bewohner hier, ebenso meiner Schwiegermutter und Schwägerin bedeutet es „hauwijeh“ (Personalausweis) und „tasrich“ (Genehmigung) dabei haben, dann lange, lange warten – an sonsten kein Durchkommen.

Solange ich mich in Bethlehem aufhalte, fühlte ich mich zwar nicht eingesperrt, aber ich erfahre ganz deutlich, was es für die Bewohner bedeutet, seien es nun radikale oder friedliebende Moslems oder Christen, nicht einfach zu einem Ausflug, oder zum Besuch von Verwandten, oder auch nur zum Einkaufen auf die andere Seite, nach Israel, fahren zu können. Denn am Checkpoint, wo die Araber die Demütigungen zu spüren bekommen, dass ihnen nur durch die Gnade der israelischen Behörden die Ausübung der freien Aufenthaltsbestimmung möglich ist, werden alle dafür bestraft, dass radikale moslemische Gruppen noch immer so verbissen gegen Israel kämpfen. Dass es die eigenen Verwandten oder Freunde sind, denen es auch so geht, bringt einen erst recht zum Nachdenken. Es ist schon was anderes, die Schutzmauer der Israelis ganz nah zu sehen, wie sie sich zwischen Gebäuden durchschlängelt und ganz deutlich zeigt, dass hier zwei Welten von einander getrennt werden. Des Abends in der Dunkelheit am Bethlehem-Jerusalem Durchgang vor der Mauer zu stehen, in die das riesige Stahltor eingelassen ist, und darauf zu warten, das die Grenzposten das Tor öffnen, um mich und meinen Sohn wieder „rauszulassen“, vermittelt ein wenig das Gefühl der Ohnmacht, der Frustration und der Wut, die bei allen Gesprächen mit Arabern in der Stimme mitschwingt, wenn sie über ihre Situation erzählen. Nur Menschen, die Jesus im Herzen haben und um seine Vergebung wissen, können befreit von diesen Gefühlen über den Konflikt reden. Deswegen ist mir auch bei meinem Besuch wieder neu so klar geworden, dass nur der Friedefürst selbst, den Menschen in diesem Dilemma Hoffnung geben kann. Dass nur Jesus den Frieden geben kann, der im Herzen anfängt und der letztendlich die einzige wirksame Friedensstrategie für dieses Land ist.

17.9.08

Reise nach Israel - Teil 3


Teil III - Begegnungen


Durch die Vermittlung von Brigitte Weghaus kann ich ein Treffen mit einer Frau haben, die Gott in die Wüste, in die älteste Stadt des Heiligen Landes gerufen hat. Karen Dunham
(USA) führt eine wichtige evangelistische Arbeit in Jericho durch und hat sich mit Gottes Beistand gegen mehrere Angriffe des Feindes, nicht nur geistlicher Art, sondern auch tätliche Anschläge auf ihr Leben durchgesetzt, um dort in der ziemlich abgekapselten, aber
friedlichen Stadt und in den Flüchtlingslagern den Arabern, vor allem den moslemischen Frauen, das Wort Gottes und die Liebe Jesu zu bringen. Hier, wo die Quelle Elisas (2. Könige 2) entspringt, wo das Land traditionell vielfältige und reichliche Frucht trägt, bringt auch Karens „Living Bread“ Kirche viel geistliche Frucht hervor. Regelmäßige Gottesdienste mit dem Co-Pastor Maron Raheb, Bibelarbeit, Englischunterricht, Evangelisation mit Voluntären und effektive praktische Hilfe erreichen die Bewohner und geben ihnen Hoffnung. Und so ist es denn nicht ungewöhnlich, reihenweise verschleierte Frauen ihrer Predigt lauschen zu sehen. Ihr neuestes von Gott gegebenes Projekt ist die Propheten Schule, die in einem alten, leerstehendem Gebäude direkt neben der Quelle, dass gerade komplett renoviert wird, nach Gottes Vision (2. Könige 2, 15) entstehen soll.

Meine Kamera hat die entstehende Arbeit und die Elisa-Quelle eingefangen, bevor Munir und ich uns auf die Höhen des nahegelegenen Djabbal Quarantal, der als der Berg der Versuchung gilt (siehe Matth. 4,1) begeben. Nein, nicht zu Fuß! Wo denkt ihr hin! Eine Seilbahn trägt uns nach oben und lässt uns schon noch einen kleinen Aufstieg zu Fuß bis zu dem Kloster übrig, das dort am Felsen zu kleben scheint. Rundblick auf Jericho und die dahinter liegenden Berge von Jordanien – atemberaubenend!

An einem anderen heißen Tag machen wir uns auf zu einem Ausflug ans Tote Meer. Wir stecken meine Schwiegermutter und meine Schwägerin Doris einfach in unseren Miet-Fiat und schleusen sie, ganz ohne Probleme, aus der Westbank bis an den Badestrand. Viele neue „beaches“ sind dort schön angelegt, damit man nach dem Bad in der salzigsten Lauge der Welt auch duschen kann. Wir suchen uns die Kalya-Beach, gleich am Nordrand des Meerbeckens, aus und verbringen einen wunderbaren Tag dort, faulenzen im Schatten, reden, trinken slush und rauchen ein „argile“.

Dass der weltberühmte Fußballer Lothar Matthäus zur Zeit den israelischen Verein Maccabi Netanya trainiert, wäre uns an diesem Tag nicht in den Sinn gekommen, wenn nicht mein Sohn, der Fußball-Experte, ihn mit seinen Adleraugen oben an der Verkaufstheke trotz der Sonnenbrille sofort erkannt hätte. Etwas genervt trotz Munirs freudiger Anrede lässt sich der prominente Mann zu einem Foto mit ihm herab, das nun mein stolzer Sohn zu Hause für viel Geld zu verkaufen versucht (!?).

Von Maron Raheb, den ich vorhin schon erwähnte, muss ich noch erzählen. Ihn konnte ich am letzten Tag vor der Christ Church am Jaffator kurz sprechen. Er lebt mit seiner deutschen Frau und drei Kindern in Jerusalem und hat, nachdem er sich vor Jahren in einem Drogenrehabilitationszentrum bekehrt hat, von Gott die Last auf sein Herz bekommen seinen palästinensischen Brüdern und Schwestern das erlösende Evangelium von Jesus Christus zu bringen. Denn nachdem er eine von Kämpfen, Drogen und Familienproblemen belastete Kindheit durchlebt hatt, hatte er sich die Frage gestellt, warum Gott die Palästinenser so leiden lässt und ob Er wohl Unterschiede macht bei den Menschen. Denn es ist natürlich auch für ihn nicht zu übersehen, das viele Israel-begeisterte Christen ins Land kommen und Trost und Ermutigung für die Israelis haben, die Palästinenser aber kaum beachten (oder gar generell als Feinde Israels betrachten). Ein Satz von ihn brachte mich zum Nachdenken: wir sollten uns doch nicht so viel mit den politischen Gegebenheiten und den Verhandlungen der Machthaber beschäftigen, denn Gott wird seinen Plan mit dem Verlauf der Geschichte ja auf jeden Fall ausführen, sondern den Menschen, denen wir begegnen, egal auf welcher Seite des Konflikts sie stehen, die Liebe unseres Herrn zeigen und verkündigen. Ich fürchte, ich werde seinen Rat beherzigen.

Ich verbringe fast die ganze letzte Woche in Beit Jala. Nach Bethlehem hinaus, bzw. hinein in die Autonomie Gebiete, kann man jetzt leichter kommen, indem man kurz vor Bethlehem rechts Richtung Gilo abbiegt und dann gleich wieder links durch das Tal zwischen Gilo rechts auf dem Hügel und Beit Jala links auf dem Hügel auf einer neu ausgebauten Landstraße fährt, die durch den Berg, einem neuen 800 m langen Tunnel führt. Den mehrspurigen Checkpoint umfährt man dann einfach und fährt sozusagen von hinten nach Beit Jala hinauf, und dann wieder hinunter nach Bethlehem. Einige Straßen in Beit Jala sind neu hinzugebaut worden, aber ich kenne mich noch recht gut aus hier. Bethlehem dagegen ist so groß geworden, dass ich mich verirrt hätte, hätten meine Verwandten mich nicht durch die Straßen navigiert.

25.2.08

Palästinensische Christen in ständiger Angst

Wie bekannt, haben unbekannte Bewaffnete letzte Woche die YMCA Bücherei im Gazastreifen in die Luft gesprengt. Niemand wurde verletzt, aber zwei Wachleute waren vorübergehend entführt worden und die Büros wurden geplündert, ein Fahrzeug gestohlen und alle 8000 Bücher zerstört.

Niemand bekannte sich zu diesem Angriff, wenngleich die Fatah die Hamas der Tat beschuldigte. Die Hamas jedoch bestritt die Verantwortung dafür und verurteilte gleichzeitig die Attacke. In der Zwischenzeitlich haben vertrauliche Quellen in Gaza der Jerusalem Post aufgedeckt, dass der Angriff eine Reaktion auf die wiederaufgelegten Mohammed Karikaturen in dänischen Zeitungen war. Die vermutete Motivation hinter dem Angriff und die Tatsache, dass es nicht groß in den Zeitungen kam, zeigt deutlich, in welch trostloser Lage viele Christen sind, die in den palästinensischen Gebieten wohnen.

Lediglich etwa 3.500 Christen, hauptsächlich griechisch-orthodoxe, leben im Gazastreifen. In den letzten zwei Jahren haben vor allem Al-Kaida nahestehende Extremisten-gruppen sich zu Anschlägen gegen Christen, sowohl Personen wie auch Institutionen, bekannt, und zwar mit den erklärten Ziel, die Christen aus Gaza zu vertreiben. Sollte die Attacke auf das YMCA Gebäude letzte Woche tatsächlich nur durch die dänischen Gewaltwelle wegen der Karikaturen ausgelöst worden sein, dann wird einem klar, wie heikel die Situation für die Christen ist und dass sie nicht tun können, die Gewalt zu verhindern. Das YMCA ist auch für Moslems zugänglich und enthält eine Schule, eine Sport Club und einen Gemeinschaftsraum. Aber nicht was die Christen tun, sondern ihre bloße Anwesenheit ist den gewalttätigen Jihad Islamisten ein Dorn im Auge. Wen wundert es, dass Christen in solch einer Situation ans Auswandern denken? Wer könnte sie dafür verurteilen, wenn sie alle wegziehen würden?

Und wenn Christen im Gazastreifen bleiben, wer wird über ihr Schicksal berichten, wenn es doch keine freie Presse in diesem von Hamas regierten Landstrich gibt? Ausländische Reporter, die etwas berichten wollen, kennen nicht die Umgebung, nicht die Sprache und die entscheidenden Personen und werden durch „Überwacher“ daran gehindert frei zu recherchieren. Aber selbst dann bekommen sie von den Christen vor Ort oftmals von sehr guten Verhältnissen zu hören und wie friedlich sie angeblich mit der moslemischen Nachbarschaft leben. Um keine Probleme mit den Jihad Extremisten zu provozieren, schweigen sie lieber. Und so geht es weiter: Nachrichten über Übergriffe auf Christen tröpfeln nur ins Netz, gehen aber schnell vorüber, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden. Und die Christen in Gaza und der West Bank versuchen einfach nur ruhig und unauffällig zu leben und wissen nie, wann die Gewalt wieder vor ihrer Türe landet. Es ist ein schreckliches Leben, umso mehr, dass es so wenige interessiert und kümmert.

aus: Father Raymond J. De Souza, National Post (Dienstag, 19.02.2008)

Bild 1: Jugendliche im YMCA vor der Zerstörung

Bild 2: Bethlehem