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30.11.14

Immer mehr Christen stellen sich auf die Seite Israels

Vater Unser in der israelischen Armee


In der israelischen Armee gibt es ein paar Christen, die sich freiwillig zum Dienst verpflichtet haben - obwohl sie es nicht müssten. Sie bekennen sich zu Israel als ihrem Staat. Aber der Weg, den sie gehen, ist kein leichter.

"Ich habe mir gesagt, ich werde studieren, meinen Abschluss in Jura machen und dann zur Armee gehen. Und das habe ich getan. Ich glaube, ich bin realistischer. Ich lebe nicht in Palästina oder sonst wo, ich lebe in Israel. Ich bin israelische Staatsbürgerin. Und das ist mein Leben, das ist meine Heimat."

Arin ist eine von rund 60 Christen in der israelischen Armee. Eigentlich müssen in Israel Männer drei und Frauen zwei Jahre dienen. Doch Muslime, Beduinen und die mehr als 123.000 Christen in Israel sind von der Wehrpflicht befreit. Für viele kommt es auch nicht infrage, sich freiwillig zu melden. Sie fühlen sich als Minderheit in Israel diskriminiert. Manche sehen sich als Palästinenser oder wollen zumindest nicht in einer Armee dienen, die Teile des Westjordanlandes kontrolliert. Arin muss deshalb viel Kritik aushalten, auch in ihrer Heimatstadt Nazareth.

"Am Anfang war es sehr hart, weil die Leute es nicht verstehen. Das ist nicht gewöhnlich in Nazareth, vor allem ein Mädchen in Uniform. Ich habe dadurch Freunde verloren. Aber ich glaube an das, was ich mache. Ich hatte anfangs einen sehr, sehr schweren Weg. Aber jetzt, vier Jahre später, geht es mir gut, ich habe gelernt, damit umzugehen, und gehe zum Beispiel nicht in Uniform nach Nazareth, um die Lage ruhig zu halten." 

Arin ist nicht allein.  
Immer mehr Christen wollen nicht mehr Araber genannt werden und stellen sich auf die Seite Israels. 
Einige haben sich deshalb zum "Forum für die Rekrutierung von Christen" zusammengeschlossen und für das kommende Jahr bereits rund 150 Christen rekrutiert – mehr als doppelt so viele wie bisher. Pater Gabriel Nadaf von der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Nazareth unterstützt das Forum. Heute ist er auf dem Weg in die Knesset, um für die Ziele des Forums zu werben. Unterstützung findet er vor allem bei den Mitte-Rechts-Parteien.

"Dass wir uns in die israelische Gesellschaft integrieren wollen, hat moralische und historische Gründe und hängt mit den Wurzeln der Christen im Nahen Osten und speziell in Israel zusammen. Denn das Christentum kommt direkt vom Judentum und ist davon nicht wegzudenken. Das ist das Land unserer Väter und Großväter. Wir wollen nun zu unseren Wurzeln zurückkehren, denn mit den arabischen Staaten haben die Christen ja nichts zu tun."

File:Flickr - Israel Defense Forces

Selbst der Krieg kann die Christen nicht von ihrem Vorhaben abbringen. An einem lauen Sommerabend im Juli, als die Operation „Fels in der Brandung“ in vollem Gange ist, versammeln sich in der Stadt Haifa rund 100 Christen. Sie schwenken die Flaggen des Vatikans und Israels. Später werden einige sogar die israelische Nationalhymne “Hatikvah” anstimmen. Die Christen wollen Solidarität mit Israel und der Armee zeigen und auf die Verfolgung von Christen in Syrien und im Irak aufmerksam machen.  Auch Gabriel Nadaf ist gekommen und beginnt die Demonstration mit einem gemeinsamen Gebet.

Zahlreiche Mitglieder des Forums für die Rekrutierung von Christen sind an diesem Abend nach Haifa gekommen. Shadi Khalloul ist der Sprecher des Forums und hat den Protest organisiert. Er erklärt, was die Verfolgung von Christen im Nahen Osten mit dem Krieg im Gazastreifen zu tun hat.

"Wir können nicht nur für die Christen im Irak und in Syrien protestieren und dabei ignorieren, was hier im Land passiert. Wir sind hier im Krieg. Es werden Soldaten und Zivilisten getötet. Es wäre falsch, das zu ignorieren. Denn wir glauben, dass der Terror hier derselbe ist wie dort. Hamas hat dieselbe Ideologie wie al-Qaida oder die Hisbollah, und sie akzeptieren niemanden, der anders ist als sie." 

Beim Treffen in Haifa im August 2014

Auch einige Israelis sind zur Demonstration in Haifa gekommen. Shadi hat zum Beispiel die jungen Mitglieder der konservativen Likud Partei eingeladen, die sich über den Zuspruch der Christen freuen. Für sie ist dies eine Bestätigung der Politik Netanyahus.

Unter den zahlreichen Christen an diesem Abend ist die 18-jährige Jennifer. Noch in diesem Jahr wird sie ihren Dienst in der israelischen Armee antreten. Auch, wenn sie dadurch viele Freunde verliert - Jennifer positioniert sich klar:

"Ich bin nicht gegen den Krieg. Wir müssen uns gegen die Terroristen verteidigen. Es ist unsere Pflicht. Die Armee hat das Recht anzugreifen, um uns zu schützen."

Jennifer spricht von "uns" und "wir". Für sie ist klar, dass sie nicht Araberin ist, sondern Israelin und damit Teil dieses Landes.

"Ich bin Christin und Israelin und stolz darauf."

Lissy Kaufmann: "Und du würdst dich nicht als Araberin bezeichnen."

"Auf keinen Fall. Das ist eine Beleidigung. Ich sehe mich nicht als Araberin." 

Auch der Organisator Shadi Khalloul diente in der israelischen Armee - als Fallschirmjäger. Er glaubt, dass Muslime eine Gefahr für die christliche Minderheit darstellen. Israel sei das einzige Land im Nahen Osten, in dem Christen frei leben könnten. Seine Position ist radikal. In Israel hört man solche Meinungen sonst nur aus dem rechten Lager. Und sie verschafft ihm Feinde: sowohl muslimische als auch christliche. Diese glauben, dass Shadi Khalloul mit seinem Vorgehen die gesamte arabische Minderheit in Israel schwächt. Shadi ist nicht sicher, wie weit die Feindschaft reicht. Deshalb trägt zur Sicherheit immer einer Pistole bei sich:

"Ich trage seit meinem Militärdienst 1998 immer eine Waffe bei mir. Denn die arabische Bevölkerung weiß, dass ich meinen Armeedienst absolviert habe. Als ein Bürger, natürlich, als ein Christ, der sein Land verteidigen will. Sie akzeptieren diese Entscheidung nicht, die Freiheit, die ich als Bürger dieses Landes habe. Deshalb habe ich die Waffe dabei, um mich zu verteidigen, das ist meine Einstellung im Leben."

Shadi Khalloul will sich von der arabischen Minderheit abgrenzen. Zu dieser Minderheit zählen Christen, Beduinen, Drusen, Tscherkessen und Muslime. Sie machen gut ein Viertel der Bevölkerung in Israel aus. Shadi Khalloul findet dafür Unterstützung im israelischen Parlament. Auch der Knesset-Abgeordnete Yariv Levin von der Likud Partei glaubt, dass die Regierung schon längst zwischen den verschiedenen Minderheiten in Israel hätte unterscheiden sollen. Er hat das erste Gesetz auf den Weg gebracht, das die Christen als eigenständige Minderheit anerkennt.

"Wir haben in Israel lange Zeit einen großen Fehler gemacht, dass wir alle Minderheiten in Israel in einen Topf geworfen und sie Araber genannt haben. Die Tatsache ist, dass sie sehr verschieden sind. Und was dann passiert ist, ist, dass die Mehrheit der Muslime die Repräsentation dieser Minderheit übernommen hat und daher meistens nur ihre Probleme und ihre Gruppe vertreten hat, während die anderen keine wirkliche Repräsentanz hatten."

Doch die Christen zieht es nicht nur aus ideologischen Gründen in die Armee. Denn während der zwei bis drei Jahre knüpfen sie Kontakte fürs Leben und sammeln Erfahrung für das Berufsleben.  Der Druse Ahmad Ramiz ist in der israelischen Armee für die Rekrutierung und die Eingliederung von Minderheiten verantwortlich. Die Drusen haben eine eigene Religion. Sie sind weder Christen noch Muslime, auch wenn ihre Wurzeln im Islam gründen. Für drusische Männer ist der Dienst in der israelischen Armee Pflicht.  Ahmad kennt die Vorteile. 

"Die Armee stärkt und bereitet die Soldaten auf den israelischen Arbeitsmarkt vor, denn sie dienen in einer Armee mit jüdischen Israelis, und in diesem militärischen Rahmen lernen sie Pünktlichkeit, Selbstständigkeit, körperliche und mentale Fitness und Entscheidungsfindung. Das ist das eine. Das andere ist, dass ehemalige Soldaten während des Studiums unterstützt werden, zum Beispiel durch verschiedene Stipendien. Um all das kümmert sich der Staat."

Die Christin Arin Sha’abi ist gleich Berufssoldatin geworden. Wo andere einen Widerspruch sehen – eine christliche Araberin, die muslimische Araber aus der Westbank anklagt – sieht Arin Sha’abi den Dienst für ihr Land. Christen aber zum Armeedienst zu verpflichten halten sie und die Mitglieder des Forums für falsch. Doch sich freiwillig zu melden soll zukünftig einfach werden. So versendet die Armee nun an junge Christen ein Schreiben, das sie einlädt, in der israelischen Armee ihren Dienst zu tun. Entscheiden kann dann immer noch jeder selbst, was für ihn am besten ist.

Von Lissy Kaufmann - Deutschlandradio Kultur

4.2.14

Evangelikale haben es besonders schwer


Christen spielen in der islamischen Welt eine immer geringere Rolle. Das gilt besonders für die Palästinensergebiete. Während sie im Gaza-Streifen starker Islamisierung durch die herrschende radikal-islamische Hamas ausgesetzt sind, leben sie freilich im Raum Bethlehem, dem Geburtsort Jesu Christi, noch in einer „brüchigen“ Koexistenz mit der islamischen Umgebung. 

Das berichtet der Politikwissenschaftler Prof. Heinz Theisen (Köln) in der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Freiburg). Besonders schwer haben es nach seinen Angaben die zahlreicher werdenden Evangelikalen im Heiligen Land. Nicht nur ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, würden mit dem Tode bedroht, sondern auch ihre Missionare. Theisen: „Während die traditionellen Kirchen eine Art Bestandsschutz genießen, können die Evangelikalen darauf nicht vertrauen." Einer ihrer Pastoren im Raum Bethlehem erhalte ständig Morddrohungen. 

Evangelikale haben es besonders schwer
Prof. Heinz Theisen
Der Anteil der Christen unter den Palästinensern ist laut Theisen drastisch gesunken. Um 1900 seien noch etwa 30 Prozent der Palästinenser Christen gewesen. Heute stellten sie nur weniger als 1,4 Prozent der Bevölkerung. Im früher christlich geprägten Bethlehem sei ihr Anteil von 80 Prozent auf 28,2 Prozent gesunken und im gesamten Distrikt einschließlich der Flüchtlingslager auf 12,7 Prozent. 

Diese Zahlen erklärten sich nicht einfach aus der israelischen Besatzung. Vielmehr müsse man sie im Rahmen des Auszugs der Christen aus dem gesamten Nahen Osten sehen.

In Bethlehem spiegele sich die Vielfalt des Christentums. Dazu gehörten orientalisch orthodoxe Kirchen, katholische Kirchen des Ostens sowie evangelische Kirchen und freikirchliche Vereinigungen. Sie lebten trotz einer „oft mangelnden Solidarität“ nebeneinander. 

Auch für das Zusammenleben mit Muslimen gebe es Spielregeln. Dabei spiele Bethlehem eine Sonderrolle. Die Pilger und Touristen böten auch Muslimen ein Einkommen. Christen würden mit Toleranz und Respekt belohnt. Im Gaza-Streifen gelte dies für die etwa 3.000 Christen unter 1,5 Millionen Muslimen nicht. Schon Schulkinder würden auf den islamischen Kurs eingeschworen; Mädchen müssten in der Schule islamische Kleidung tragen.

Nach Theisens Einschätzung wäre der von den Palästinensern geforderte eigene Nationalstaat für die Christen „katastrophal“. Die Machtkonflikte zwischen Säkularisten und Islamisten, die bisher durch die Teilung von Westjordanland und Gaza eingedämmt würden, würden dann ungebremst ausgetragen. Die internationalen Hilfen würden zurückgehen, und der Staat wäre – so Theisen – „mangels jeder Kontrolle noch korrupter als die Autonomiebehörden“. 

Sein Fazit: „Je mehr die Nationalstaaten im Nahen Osten in inneren Bürgerkriegen zerfallen, desto vorsichtiger sollten die Palästinenser bezüglich ihres eigenen Staates sein.“  
 
 idea

24.10.13

Die Wahrheit über Nazareth

Nazareths schwindende christliche Bevölkerung - zerrissen zwischen Wegzug und Kampf

Die diesen Monat stattfindende Kommunalwahl unterstreichen die trostlosen und bitteren Rivalitäten in der Stadt von Jesu Kindheit.

Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Fragte sich Natanael, ein Jünger Jesu, im Evangelium von Johannes. Dieselbe Frage heute gestellt, würde viele der Bewohner der Stadt schwer unter Druck bringen.
Die anstehenden Gemeinderatswahlen, die am 22. Oktober geplant sind (Anmerk.: Aktuelles über die Wahl, siehe unten), treffen eine verarmte und niedergedrückte arabische Stadt in Israel an. 

Eine landesweite Studie, die das Ministerium für öffentliche Sicherheit im August durchführte, deckte auf, dass die Bewohner Nazareths die Israelis sind, die am meisten Angst haben, Opfer eines Verbrechens zu werden. Man fand auch, dass hier, zusammen mit Bewohnern von Verbrechen-heimgesuchten Städten, wie Ramle und Lod, das geringste Gefühl für persönliche Sicherheit besteht.
„Die Dinge haben sich verschlechtert in dieser Stadt“, sagt eine ältere Frau, eine Kette mit einem goldenen Kreuz um den Hals, die an diesem Tag auf Nazareths Hauptstraße unterwegs ist. „Keiner der Leute hier bekommen irgendwelche Hilfe – weder von der Gemeinde, noch von der Regierung, noch von der Polizei.“
Wie sein christlicher Zwilling, Bethlehem, in der West Bank, hat auch Nazareths demographische Zusammensetzung in den letzten sechs Jahrzehnten einen dramatischen Wandel erlebt, eine Tatsache, die manche Einwohner an dem sich verschlechterten Sinn für Sicherheit und an der allgemeinen „niedrigen Lebensqualität“ festmachen. Die Stadt war vor 1948 eine Stadt mit einer großen christlichen Mehrheit, heute sind 70 Prozent von Nazareths 80 000 Einwohnern Muslime. Die Veränderung begann schon zur Zeit von Israels Unabhängigkeitskrieg, als sich ein Strom von inländisch vertriebenen Dorfbewohnern in Nazareth niederließen. Die Forscher der Studie sehen aber auch eine höhere Geburtenrate der Muslime.

Islamische Banner im Eingangsbereich vor der Verkündigungsbasilika in Nazareth mit Koranversen: "Sag: Er ist Allah, der Einzige, Allah der Ewige, Absolute, er hat nicht gezeugt noch wurde er gezeugt, und keiner ist ihm gleich." (gesehen 2010)
Religiöse Spannungen traten in den frühen 2000er Jahren in den Vordergrund, als die ortsansässigen Muslime eine neue Moschee nahe der Verkündigungs-Basilika, dem überragenden christlichen Wahrzeichen der Stadt, zu bauen anfingen. Anfang 2002 beschloss die Regierung, die Bautätigkeiten auf der Baustelle, die über dem Grab von Schihab A-Din, dem Neffen Saladins, lag, auf Grund massiven Drucks von Seiten des Vatikans, zu stoppen. Die Muslime waren von diesem Schritt erzürnt, leisteten jedoch wenig Widerstand, als im Jahr darauf ein illegaler Bau auf genau diesem Platz niedergewalzt wurde.
 
Rames Jareisi, der kommunistische, christliche Bürgermeister der Stadt, der bald 20 Jahre im Amt ist, spielt Konfessionalismus als maßgeblichen Faktor in Nazareth herunter. Tawfik Sayyad, sein Vorgänger im Amt, der 1994 bei einem Autounfall ums Leben kam, war ein Moslem, bemerkt er. Während des ganzen letzten Jahrhunderts regierten christliche und muslimische Bürgermeister die Stadt, ohne der religiösen Ausrichtungen ihrer Untergebenen großartig Bedeutung beizumessen.

Ich bin viermal durch direkte Wahlen von beiden, Muslimen und Christen, gewählt worden“, sagte Jareisi. „Manche Leute benützen Religion, um politische Ziele zu erreichen. Wir haben keinerlei religiöse Auseinandersetzungen außerhalb kleiner fundamentalistischer muslimischer und christlicher Gruppen. Aber die sind eine sehr kleine Minorität.“

Ein Mitglied dieser „sehr kleinen Minoritäten“ ist der Bürger Bshara Schlayan, ein pensionierter Kapitän der israelischen Handelsmarine, der dabei ist, eine politische Partei für christliche Araber in Israel zu gründen. Die Partei, so Schlayan, zielt darauf ab, einer, wie er es nennt, allmählichen Beanspruchung von Nazareths historischen christlichen Symbolen durch die städtische muslimische Mehrheit, entgegenzutreten.
 
An der 'Marienquelle' war immer ein großes blaues Schild angebracht, das seine Geschichte erklärte. Sie entfernten das Zeichen, um jegliche Spur des Christentums auszulöschen und nannten die Quelle 'Nazareth Strom'. Warum? Andere mögen das unwichtig finden, ich betrachte es als wesentlich.“


(die Marienquelle ist eine unterirdische Wasserquelle, und war in vergangenen Jahrhunderten die einzige Wasserquelle für die Bewohner Nazareths. In der Nähe des Ortes der Verkündigung gelegen, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit der Ort, an dem Maria Wasser für die heilige Familie geschöpft hat. Anmerk. d. Übers.)

Schlayan meint, um das Problem der Christenabwanderung aus der Stadt zu lösen, braucht es mehr, als nur einen christlichen Bürgermeister zu wählen. Veränderung, meint er, muss von der Knesset kommen, bevor „alle Christen der Stadt weggehen, weil die Banden Schutzgeld verlangen.“

Jareisi sagt, Schlayan sei ein „Kollaborateur“, der mit den israelischen Behörden zusammenarbeitet und danach trachtet, unnötige Spannungen zwischen Christen und Muslimen in der Stadt zu schaffen. „Es wird ihm nicht gelingen“, erklärt der Bürgermeister.

Aber Schlayan ist nicht der einzige Christ in der Stadt, der offen seine Meinung sagt. Ibrahim hat nur noch gewartet, bis sein Sohn das christliche Gymnasium in der Stadt fertigmachte, dann verließ er Nazaret vor 14 Jahren, um ins nahegelegene Obere Nazareth zu ziehen – und er schaute nie mehr zurück. „Wenn du mir ganz Nazareth umsonst geben würdest, würde ich nicht zurückkommen“, sagt Ibrahim und fügt hinzu, dass er neulich sein Mehrfamilienhaus in der muslimischen Nachbarschaft, Jabal Hammudeh, verkauft hat. „ Wir haben es dort mit Rassismus Problemen zu tun. Fast in jeder Wohnung des Hauses gibt es illegale Waffen.

Die Religion spielt schon eine große Rolle in Nazareth. Als die Christen noch in der Mehrheit waren, gab es keine Probleme... unsere Mentalität ist eher europäisch und unsere Religion sag: 'liebt einander!'. Ibrahim erklärt, dass seine neuen jüdischen Nachbarn in Ober-Nazareth sehr freundlich sind, solange man mit ihnen nicht über Politik spricht.
 
Vor der Verkündigungsbasilika: "Wer immer eine andere Religion sucht als den Islam, wir von Ihm nicht angenommen, er wird künftig einer der Verlierer sein." (gesehen 2010)

Hanin Zoabi, umstrittenes Mitglied der Knesset von der arabischen Nationalistischen Partei „Balad“, ist Ende August in den Wahlkampf um den Posten des Bürgermeisters eingestiegen. Zoabi, nicht-gläubige Muslimin – die 2010 auf der Mavi Marmara nach Gaza mitgefahren war und das israelische Militär für das Abfangen des Schiffes geißelte, dann erst nach Einschalten des Gerichts für die Kandidatur für die Knesset zugelassen wurde – anerkannte, dass Christen in größerer Zahl als Muslime aus Nazareth abwanderten, schrieb das aber einem allgemein höheren sozioökonomischen Niveau der Christen zu.
Muslime möchten genauso dringend Nazareth verlassen, wie Christen“, sagt sie. „Christen ziehen nicht nach Ober-Nazareth, weil sie dort willkommener sind als Muslime... für den Staat Israel bist du, wenn du kein Jude bist, entweder Ausländer oder eine Bedrohung.“ Indem er eine Christliche Partei gründete, fügt Zoabi hinzu, „verkaufte Schlayan seine Ehre und sein Land!“

Aber der christliche Marinekapitän nimmt diese Kritik unbeschadet auf. Während er jetzt auf die Papiere für die neue Partei wartete, wandte er sich neulich an den Minister für Tourismus Usi Landau mit der Bitte, die größte Jesus-Statue der Welt auf den „Berg des Abgrunds“ zu stellen, wo – nach christlicher Tradition – die ungläubigen Einwohner Nazareths versucht hatten, ihren Erlöser in den Tod zu stürzen, was misslang.

Original: Nazareth’s dwindling Christian populace torn between moving out, fighting back
aus Times of Israel 

Wie die Zeitung „TheChristianPost“ am 23. Oktober berichtet, ist die israelische arabische Politikerin Hanin Soabi im Wahlkampf um Nazareths Bürgermeisteramt, nach 20 Jahren Regierung durch Rames Jareisi, gescheitert. Sie hatte mit 3812 Stimmen nicht die Prozentzahl Jareisis von 43,37 % erreicht.
Soabi hat einen Sitz in Israels Parlament, der Knesset, tut sich aber permanent als Kritikerin ihrer Regierung hervor und spornt ihre arabischen, vor allem muslimischen Landsleute an, sich nicht mit den Gegebenheiten in Israel zufrieden zu geben, nicht allzuviel Sympathien zu entwickeln und nicht auch noch dankbar zu sein, dass sie 1948 nicht aus dem Land vertrieben wurden.

7.9.10

Rosh Hashana Teil II

Traditionen

Eine Woche Eine Woche vor Rosh Hashana, am Ende des Monats Elul, wird im jüdischen Leben etwas hinzugefügt, die „Selichot“, die speziellen Gebete um Vergebung, die in den frühen Morgenstunden in der Synagoge gebetet werden. Mit diesen Gebeten werden die Juden auf die kommenden Tage der Einkehr und Selbstprüfung vorbereitet. Am „Erev Rosh Hashana“ (der Abend davor), nehmen die orthodoxen Juden das „Mikveh“, das rituelle Bad. Der Vorhang, hebr.: parochet, in der Synagoge, der die Bundeslade, (bzw. das Allerheiligste) verdeckt, wird mit einem weißen Tuch, das die Reinheit symbolisiert, ausgetauscht.

Man grüßt sich in dieser Zeit mit "L'shana tova tikatevu" (sinngemäß: für dich sei ein gutes Jahr im Buch des Lebens geschrieben.). Man erwidert: „gam lecha“ (für dich auch).

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Kol Nidrei

Jom Kippur




  • So wie bei allen jüdischen Feiertagen, wird auch an Rosh Hashana einleitend das Kerzenanzünden und das Kiddush über dem Wein sprechen zelebriert.

  • Apfelstücke in Honig getaucht vor dem Mahl, ist ein Brauch, der auf ein süßes neues Jahr hinweisen soll.

  • Runde "Challa" Brote, die zu einer Krone geformt werden, ehren Gott als den König und erinnern daran, dass der die Krone des Lebens erhält, der dem Wort Gottes gehorsam ist.


Geistliches

In den Synagogen
werden dann während der „Aseret Jemei Tschuwa“, den zehn Tagen vor Jom Kipur, viele Bittgebete vor Gott gebracht, um für das Buch des Lebens bereit gemacht zu werden, und in den Predigten geht es um Umkehr, Reue und Gottes Gericht.

Die Lesungen aus der Thora an Rosh hashana werden ab der Geburt Isaaks vorgenommen und der Gehorsam Abrahams, als er seinen Sohn opfern sollte, wird in den Mittelpunkt
gestellt.

Die Textstelle in der Bibel, in der der HERR den Zeitpunkt ROSH HASHANA festgelegt hat lautet so:
Rede zu den Söhnen Israel: Im siebten Monat *), am Ersten des Monats, soll euch Ruhe sein, eine Erinnerung durch Lärmblasen, eine heilige Versammlung. Keinerlei Dienstarbeit dürft ihr tun,
und ihr sollt dem HERRN ein Feueropfer darbringen.
Levitikus 23

Das Shofar wird während eines typischen Rosh hashana Gottesdienstes mindestens 100 Mal geblasen um den Festtag der Trompeten „Jom Teruah“ zu erfüllen.






Die vorgeschriebenen Arten,
ins Horn zu blasen, sind:

1. Tekia = ein langer Ton

2. Sherwarim = drei kurze Töne

3. Teru'ah = neun sehr kurze staccato Töne

4. Tekia gadol = langer Ton





Die angewandte Reihenfolge der Hornstöße variiert je nach jüdischem Brauch, man kann sie am Anfang des Gottesdienstes, nach der Thoralesung oder bei dem Segen hören. Sollte Rosh hashana auf einen Shabat fallen, wird allerdings nicht geblasen, denn wie auch am Jom Kipur darf keinerlei Arbeit verrichtet werden. Aber es wird am nächsten Tag noch nachgeholt, denn Rosh hashana wird die meisten Feste zwei Tage lang gefeiert.

*) Der biblische erste Monat im Jahr ist der Nissan (März – April) und in diesem findet der Zyklus der drei wichtigen Feste, die Gott für das Volk Israel festgelegt hat, seinen Anfang mit Pessach. Dieses Fest hat das Ereignis zur Grundlage, mit dem alles begann: Gott führte sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit und schloß einen Bund mit den Kindern Israels. Die anderen zwei Feste der „shalosh regalim“ (drei Hauptfeste) im Jahr sind schawuot (Pfingsten) und Sukkot (Laubhüttenfest), welches fünf Tage nach Jom Kipur gefeiert wird (Siehe Deut. 16, 16).

24.2.10

Die Grenzen von 1967

Muss sich Israel hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen?

Während Israel seinen Willen zum Kompromiss im Laufe von Friedensverhandlungen bekundet hat, gibt es immer noch solche, die auf der völligen Beendigung jeglicher jüdischer Präsenz im Westjordanland (aus dem Gaza-Streifen hat sich Israel bereits freiwillig zurückgezogen) sowie auf einer uneingeschränkten Rückkehr zu den erratischen Waffenstillstandslinien von 1948 beharren, die vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 existierten.


Es gibt keine Vorschriften in irgendeinem der unterzeichneten Abkommen zwischen Israel und den Palästinensern, die einen Rückzug hinter die Grenzlinien von 1967 fordern. Es gibt keine geographischen Imperative, die die Linien von 1967 heiligen. Ganz gewiss besteht keinerlei Logik darin, eine unbeabsichtigte Grenzlinie zu verankern, die weniger als 19 Jahre existiert hat. Die Grenzen des Westjordanlands vom 4. Juni 1967 basierten nicht auf historischen Tatsachen, natürlichen geographischen Formationen, demographischen Erwägungen oder internationaler Übereinkunft.

Die prä-19
67-Grenzlinien basierten vielmehr auf den Waffenstillstandslinien, die auf Grundlage der Position der Armeen nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 gezeichnet worden waren. Dementsprechend enthielt sich das Waffenstillstandsabkommen von 1949 jeglicher Festsetzung der endgültigen politischen Grenze. Diese Linien spiegelten lediglich die relativen Positionen der jordanisch-irakischen und israelischen Streitkräfte am Ende des Krieges wider. Einige Monate nach dem Sechs-Tage-Krieg verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 242, die grundlegende UN-Entscheidung zum israelisch-palästinensischen Konflikt.

Die Resolution anerkannte die problematische Natur der Grenzlinien von 1967, die Israel mit einer ‚Wespentaille’ von 9 Kilometern zurückließ, und Israels Bedürfnis nach „sicheren und anerkannten Grenzen“. Insbesondere wies der Sicherheitsrat die arabische Forderung nach einem Text zurück, der Israel zur völligen Rückgabe all des während des Konflikts von 1967 unt
er seine Kontrolle gebrachten Gebiets verpflichtete; so wurde Israel lediglich zum „Rückzug aus Gebieten, die im jüngsten Konflikt besetzt wurden“, aufgerufen, nicht zu einem aus „all den Gebieten“, noch nicht einmal aus „den Gebieten“.


Nachfolgende Friedensverhandlungen haben Lösungen behandelt, die Grenzkompromisse zwischen Israel und einem potentiellen palästinensischen Staat einschließen. Auch Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Yitzhak Rabin konstatierte in seiner letzten Knesset-Rede vor seiner Ermordung im Jahr 1995, dass Israel sich nicht hinter die Linien vom 4. Juni 1967 zurückziehen werde. Diese Position spiegelt sowohl die Veränderungen wider, die im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte vor Ort vonstatten gegangen sind, als auch die problematische Natur der ursprünglichen Grenzlinien.

Inzwischen existieren wichtige israelische Bevölkerungszentren im Westjordanland, von denen die meisten in Siedlungsblocks konzentriert sind und nahe den Linien von 1967 liegen. Die Zwangsdeportation ihrer Bewohner anstelle einer Rationalisierung der Grenze würde von der israelischen Bevölkerung nicht gutgeheißen werden und eine unüberwindliche Herausforderung für jede israelische Regierung darstellen.


Die Israelis haben alte Verbindungen zu diesem Teil des Landes Israel, und Juden haben die Jahrhunderte hindurch dort gelebt – bis sie 1948 der ethnischen Säuberung im Westjordanland zum Opfer fielen. Viele Stätten von großer religiöser und historischer Bedeutung für das jüdische Volk liegen im Westjordanland. Dazu gehört das Grab der Patriarchen in Hebron, wo der Tradition nach Abraham, Sarah, Issak, Rebekka, Jakob und Lea begraben liegen.


Eine rationale Einschätzung eines realistischen und dauerhaften Friedensprozesses muss die jüdische Präsenz im Westjordanland in Rechnung stellen. Bislang haben alle Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung auf dieser Prämisse basiert. Ein Endstatusabkommen wird die neue Realität des Westjordanlandes widerspiegeln und beiden Seiten einen Kompromiss abverlangen müssen.

haGalil.com